Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy appellierten an die anderen EU-Partner, die Ratifizierung des Lissabon-Vertrages fortzusetzen.
"Ratifizierung weiterführen"
In 18 Mitgliedsstaaten sei die Ratifizierung bereits abgeschlossen, hieß es in einer in Berlin und Paris gleichzeitig veröffentlichten Erklärung. "Wir erwarten daher, dass die anderen Mitgliedsstaaten ihre innerstaatlichen Ratifizierungsverfahren weiterführen."
Deutschland und Frankreich nähmen "die demokratische Entscheidung der irischen Bürger mit allem Respekt, der ihm gebührt, zur Kenntnis, auch wenn wir sie bedauern", erklärten die beiden Politiker am Freitag.
Fragen an irische Regierung
"Wir sind überzeugt, dass die im Vertrag von Lissabon vereinbarten Neuerungen erforderlich sind, um die Europäische Union demokratischer und handlungsfähiger zu machen." Die irische Regierung müsse nun beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel die genauen Ursachen der Ablehnung erläutern.
Frankreich übernimmt am 1. Juli für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft. Sarkozy hat bisher stets betont, die erfolgreiche Ratifizierung und das Inkrafttreten des Reformvertrags am 1. Jänner 2009 zählten zu seinen Hauptzielen als Ratspräsident.
Polen: Weg suchen
Der polnische Regierungschef Donald Tusk setzt weiter darauf, dass der EU-Reformvertrag in Kraft treten kann. "Das Referendum in Irland disqualifiziert nicht den Vertrag", sagte Tusk am Freitag in Warschau. "Wir werden wirksam nach einem Weg suchen, damit er doch in Kraft treten kann", versicherte er.
EU-Abgeordnete uneins
Im EU-Parlament gehen die Meinungen auseinander, wie auf den negativen Ausgang des Referendums reagiert werden müsse. Während der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament, Martin Schulz, eine Klärung der Regierungschefs forderte und eine zweite Abstimmung der Iren ausschloss, führt nach Ansicht des Vorsitzenden des Verfassungsausschusses, des deutsche SPD-Abgeordneten Jo Leinen, "letztendlich kein Weg vorbei an einem zweiten Referendum".
Neue EU?
"Die Zeiten sind vorbei, wo man den Leuten sagen konnte: Stimmt ab, bis ihr Ja sagt", sagte Schulz am Freitag in Brüssel. Als möglichen Ausweg stellte er eine "Umgründung" der EU in den Raum, indem die 18 EU-Staaten, die der gescheiterten EU-Verfassung ursprünglich zugestimmt haben, diese annehmen und alle anderen Verträge kündigen.
Aus Sicht Leinens wird bei Europa-Referenden hingegen auch immer über viele andere Dinge und nicht nur über den EU-Vertrag selbst abgestimmt. Daher müsste man die Iren noch einmal fragen: "War das euer letztes Wort?" Leinen würde für eine genaue Analyse der Gründe des Neins zum Vertrag plädieren.
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