Politisch will der Nachfolger des jetzigen Regierungschefs Wladimir Putin enger mit den ehemaligen Sowjetstaaten der GUS kooperieren. Für die USA setzt es hingegen markige Sprüche ganz in Putin-Manier - nicht zuletzt in Bezug auf das weltweite Finanzsystem.
686 Prozent Wachstum in fünf Jahren
Denn Medwedew setzt für eine starke wirtschaftliche Positionierung neben Öl und Gas vor allem auf Moskau als internationaler Finanzplatz.
Die Zahlen geben ihm recht, wie ein Blick auf den wichtigsten russischen Leitindex, das Russian Trading System (RTS), zeigt. Der russische Aktienmarkt wuchs zwischen 2001 und 2005 um 686 Prozent - und um weitere 66 Prozent 2006. Für 2007 liegen noch keine verbindlichen Zahlen vor.
Gasprom als Börsenmotor
Der Aufstieg des Finanzplatzes Russland fand unter der Amtszeit Putins statt und hat vor allem mit den steigenden Ölpreisen und dem damit einhergehenden Siegeszug schwergewichtiger Konzerne wie Rosneft, Lukoil, Transneft und allen voran Gasprom zu tun.
Deren Kurse stiegen während der vergangenen Jahre ins Unermessliche - und damit die Strahlkraft der Moskauer Börse.
Gewinnsprünge am laufenden Band
Rosneft verdiente heuer im ersten Quartal siebenmal so viel wie im Vorjahr. Einen ähnlichen Gewinnsprung vermeldete auch Lukoil.
Nachdem die Steuern auf Öl und Gas deutlich gesenkt wurden und schließlich Ex-Gasprom-Aufsichtsratschef Medwedew von Putin das Präsidentenamt übernahm, erhöhte sich auch der Kurs des finanzstärksten russischen Unternehmens auf einen Schlag um sechs Prozent.
Gasprom noch immer unterbewertet?
Dabei ist der stellvertretende Vorstandschef von Gasprom, Andrej Kruglow, felsenfest davon überzeugt, dass sein Unternehmen an der Börse im Vergleich zu internationalen Konzernen aus der Branche massiv unterbewertet ist.
Im Gasprom-Magazin spricht er von einer vier- bis achtfachen Unterbewertung. Wenn das nur annähernd stimmt, ist dem Wachstum des russischen Finanzmarktes nach oben auf Jahre hin kaum eine Grenze gesetzt.
"Der Markt wächst und wächst"
Die US-Investmentbank Goldman Sachs gab sich im Mai in einem Statement euphorisch: "Russland ist einer der weltweit besten Finanzplätze für Investitionen, der Markt wächst und wächst."
Als Folge des Booms steigt auch der Wert des Rubels und macht Investitionen aus dem Ausland dadurch noch interessanter.
Medwedews Pläne
Folgerichtig ließ Medwedew vergangene Woche auf einem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg die Muskeln spielen und kündigte eine stärkere Präsenz seines Landes auf den internationalen Finanzmärkten an.
"Wir haben den Plan, Moskau zu einem weltweit bedeutenden Finanzzentrum auszubauen und den Rubel zur führenden regionalen Reservewährung zu machen", so Medwedew, der einen entsprechenden Aktionsplan ankündigte.
Mehr Investitionen gefordert
Zugleich forderte er die über 80 auf dem Wirtschaftsforum anwesenden Vorstandschefs zu mehr Investitionen in Russland auf. Ziel sei der Aufstieg des Landes zur weltweit fünftgrößten Wirtschaft, sagte Medwedew. Im Gegenzug versprach er, das russische Justizsystem zu reformieren, um unabhängige und moderne Gerichte zu garantieren.
Damit ging Medwedew auf einen der Hauptkritikpunkte ausländischer Investoren ein, die schon lange ein transparenteres Rechtssystem fordern. Auch riefen die Teilnehmer des Forums Medwedew auf, mehr Geld in die teils marode russische Infrastruktur zu investieren.
Breitseite gegen die USA
Gleichzeitig übte Medwedew bei seinem ersten Auftritt als Kreml-Chef vor internationalen Topmanagern Kritik an der Finanzpolitik der USA. Washington sei seiner Verantwortung als führende Finanzmacht in der jüngsten Krise nicht gerecht geworden.
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