Angst in Rot

Der Fast-Food-Riese McDonald's gab den Startschuss zur landesweiten Paradeiser-Phobie.
Anfangs hatte die Warnung der Food and Drug Administration (FDA) für wenig Aufsehen gesorgt: Schon letzte Woche hatte die US-Gesundheitsbehörde verlautbart, dass bei bestimmten Paradeisern Salmonellen festgestellt worden seien. Doch dann kam McDonald's.

Am Montag verlautbarte der Fast-Food-Riese, dass man rohe Paradeiser aus den Burgern verbannt habe. Die Restaurantketten Burger King und Taco Bell zogen nach, und kaum 24 Stunden später waren die USA am Rande einer veritablen Panik.

Nur begrenzte "Gefahr"
Die großen Supermärkte und die meisten Restaurants und Caterer schlossen sich am Dienstag dem totalen Paradeiser-Bann an, obwohl die "Gefahr" laut der FDA nur von Roma-, Fleisch- und ovalen Paradeisern ausgehen kann, und selbst da nur aus bestimmten Gegenden.

Alle bisher festgestellten Fälle dürften auf den Genuss von rohen Paradeisern aus dem Gebiet rund um die US-Bundesstaaten New Mexico und Texas zurückgehen. Gerade die Paradeiser-Farmer drängen die FDA, den Ursprung der Salmonellen-Erkrankungen festzustellen.

Gemüse um Millionen verrottet
Die Paradeiser-Farmer wollen das schwarze Schaf in ihren Reihen finden, weil die landesweite Paradeiser-Panik sie in ihrer Existenz bedroht. Im Bundesstaat Florida - von dort kommen um diese Jahreszeit 90 Prozent aller in den USA verkauften Paradeiser - verrottet die Ernte.

"Wir haben aufgehört zu ernten", sagte Branchen-Vizeobmann Reggie Brown gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Industrie sei "komplett kollabiert". Allein in den nächsten Tagen würden Paradeiser im Wert von 40 Mio. Dollar (25 Mio. Euro) verrotten.

FDA verbreitet Paradeiser-Fotos
Von Anfang an hatte die FDA betont, der Genuss gekochter Paradeiser sei jedenfalls ungefährlich, ebenso wie der Verzehr roher Rispen-, Kirsch- und Cocktailparadeiser und von importiertem Gemüse. Sogar "Fahndungsfotos" mit den einwandfreien Sorten werden verbreitet.

Die aufgeschreckten Verbraucher differenzieren jedoch nicht. Auch die Schulbehörde des Distrikts Los Angeles - die zweitgrößte des Landes - erklärte am Dienstag kategorisch, die Verwendung roher Paradeiser in Schulkantinen sei ab nun "für unbegrenzte Zeit ausgesetzt".

167 Fälle seit April
Salmonellen kommen vor allem auf tierischen Produkten vor, können jedoch auch durch Wasser übertragen werden - also im konkreten Fall wohl durch das Wässern der Pflanzen und beim Waschen der Früchte. Die US-Sanitätsbehörden (CDC) zählten seit April 167 Infektionen.

23 Menschen mussten in Spitälern behandelt werden. Der Tod eines 67-jährigen Krebskranken wird ebenfalls mit den Salmonellen in Verbindung gebracht. Zum Vergleich: Statistisch gesehen gibt es in den USA jeden Tag etwa 120 Verkehrstote.

Links: