Verfahren gegen Ex-EADS-Vize

Druck auf aktive Manager bei EADS steigt.
Im Skandal um mutmaßlichen Insiderhandel von 17 derzeitigen und früheren Topmanagern des Airbus-Mutterkonzerns EADS hat die französische Justiz ein erstes Ermittlungsverfahren gegen Noel Forgeard eingeleitet. Damit wächst der Druck auf den Konzern, weil nun auch aktive Manager mit Justizverfahren rechnen müssen.

Bis spät in die Nacht befragt
Forgeard, der frühere Chef von Airbus und ehemalige Kochef von EADS, wurde nach 35 Stunden Verhör im Polizeigewahrsam am Freitag gegen 2.00 Uhr von zwei Untersuchungsrichtern auf freien Fuß gesetzt. Nach Informationen des Nachrichtensenders France-24 muss er eine Kaution von einer Million Euro hinterlegen.

Die Untersuchungsrichter hielten den Vorwurf des Insidervergehens aufrecht, weil Forgeard 2005 und 2006 vor Bekanntgabe der Probleme mit den Airbus-Programmen A380 und A350 Aktien des Mutterkonzerns EADS in Millionenhöhe abgestoßen hatte.

Forgeard weist Vorwürfe zurück
Sie ließen aber den weitergehenden Vorwurf der Falschinformation des Marktes fallen. Forgeards Anwalt Jean-Alain Michel sagte, der ehemalige "Mr. Airbus" weise alle Vorwürfe zurück, die Unschuldsvermutung bleibe bestehen.

Forgeard habe erklärt, dass nach seiner Kenntnis auch kein anderer EADS-Manager ein Insiderdelikt begangen habe. Auf die Straftat stehen bis zu zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe des Zehnfachen des Gewinns aus Insidergeschäften, für Forgeard also bis zu 43 Millionen Euro.

Aktien gewinnbringend abgestoßen?
Die Ermittler meinen, Forgeard habe beim Verkauf seiner Aktien im November 2005 und im März 2006 wissen müssen, dass die Probleme bei den Airbus-Programmen A380 und A350 zu einem Kursrückgang führen mussten. Nach Bekanntgabe der Probleme Mitte Juni 2006 brach der Aktienkurs um gut 27 Prozent ein; seitdem hat er sich nicht erholt.

Auch Börsenaufsicht ermittelt
Die Pariser Börsenaufsicht hat bei ihren parallelen Ermittlungen in der Affäre auch die EADS-Großaktionäre Daimler und Lagardere sowie 16 weitere Manager im Visier.

Darunter sind der jetzige Airbus-Chef Thomas Enders, sein Vize Fabrice Bregier und Konzern-Finanzchef Hans-Peter Ring. Branchenexperten befürchten, dass die EADS-Führung destabilisiert werden könnte, wenn die Justiz auch Verfahren gegen aktuelle Topmanager einleitet und diese unter Rücktrittsdruck geraten.

Tiefe Strukturkrise
Der Konzern steckt mitten in einer Strukturkrise. In den Chefetagen wird auf ein deutsch-französisches Gleichgewicht geachtet, und der Konzern muss sich derzeit Vorwürfen erwehren, die Deutschen würden die Franzosen über den Tisch ziehen und beim Stellenabbau benachteiligen.

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