Investitionen wären augeblieben

Investoren warten ab, welchen Kurs Serbien einschlägt.
Eine Entscheidung Serbiens gegen den EU-Kurs hätte laut Belgrader Wirtschaftsexperten massive Auswirkungen auf die Ökonomie des Landes und auch auf den Lebensstandard gehabt.

Ein erstes Ergebnis wäre das Ausbleiben der für heuer erwarteten ausländischen Investitionen. Wirtschaftsminister Mladjan Dinkic hatte schon vor Wochen darauf aufmerksam gemacht, dass einige Investoren, die insgesamt rund eine Milliarde Euro in Serbien anlegen möchten, zunächst die Wahlergebnisse abwarten wollten.

Dynamisches Wachstum
In den vergangenen Jahren konnte sich Serbien eines dynamischen Wirtschaftswachstums erfreuen, das sich auf sieben bis acht Prozent pro Jahr belief. Allerdings verbuchte es auch ein Zahlungsbilanzdefizit in Höhe von rund 15 Prozent des Bruttonationaleinkommens.

Das Defizit wurde größtenteils durch ausländische Investitionen, Kredite und die keineswegs unbedeutenden Geldüberweisungen der Auslandsserben gedeckt.

Investoren zögern
Um das Wachstum zu sichern, brauche Serbien Investitionen in der Höhe zwischen fünf und sechs Milliarden Dollar (3,2 bis 3,9 Mrd. Euro) jährlich, warnte kürzlich auch Branko Milanovic, ein Mitarbeiter der amerikanischen Carnegie-Friedensstiftung in Washington.

Unter Hinweis auf den schlechten internationalen Ruf der Ultranationalisten verwies er darauf, dass im Falle einer nationalistischen Regierungskoalition in Belgrad jeder potenzielle Investor erst einmal abwarten werde, um zu sehen, ob die neue Regierung die Beziehungen zu Europa verschlechtern werde.

Kritik an Wirtschaftsplänen
"Es ist offensichtlich, dass die Fortsetzung eines schnellen wirtschaftlichen Wachstums nicht haltbar sein wird", stellte Milanovic in einem Artikel für die Tageszeitung "Politika" fest. Er kritisierte auch die Pläne der Nationalisten, den Export mit Hilfe der Hartwährungsreserven der Notenbank zu unterstützten bzw. eine stärkere Preiskontrolle, insbesondere im Lebensmittelbereich, einzuführen.

Wohin eine derartige Politik führen kann, hatte Serbien in den 90er Jahren, und da besonders im Winter 1993/94, erlebt: Damals war die Inflationsrate auf zuletzt 114 Millionen Prozent gestiegen. Leere Geschäfte und Warteschlangen beim Kauf von Grundnahrungsmitteln prägten das Bild.

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