"Von Erfolg gekrönt"

Die Opposition beklagt Einschüchterungen und Nötigungen der Wähler.
Während in Burma Hunderttausende Zyklon-Opfer um das Überleben kämpfen, hat die Militärregierung am Samstag ein Referendum über ihre umstrittene Verfassung abgehalten. Die Junta ignorierte Appelle aus aller Welt, sich auf die Opferhilfe zu konzentrieren und das Referendum zu verschieben.

Nur in 47 der am schlimmsten betroffenen Bezirke darf in zwei Wochen nachgewählt werden. Tausende Beamte waren die ganze Woche mit den Vorbereitungen des ersten Wahlgangs seit 18 Jahren beschäftigt.

Direkte Fälschungen beobachtet
Burmesische Oppositionskräfte im Exil berichteten am Sonntag von massiven Wahlfälschungen. Mitarbeiter der Oppositionspartei Nationalliga für Demokratie (NLD) hätten am Samstag in allen Landesteilen Einschüchterungen, Nötigungen und direkte Fälschungen beobachtet, berichtete die US-Kampagne für Burma.

Die neue Verfassung soll den Weg für Wahlen in zwei Jahren freimachen. Allerdings sichert sich das Militär damit 25 Prozent aller Parlamentssitze und wichtige Kabinettsposten.

Wähler mit Haft gedroht
Im Bezirk Kyone Pyaw in der Irrawaddy-Region seien seit Freitag Lautsprecherwagen durch die Straßen gefahren, die jedem, der mit Nein stimmen wollte, mit drei Jahren Haft und Geldstrafen drohten, berichteten die Beobachter.

Im Karen-Gebiet hätten Wähler bei der Ankunft im Wahllokal festgestellt, dass in ihrem Namen schon gewählt worden war. Im Pegu-Bezirk rund 100 Kilometer nördlich von Rangun hätten die Leiter der Wahllokale darauf bestanden, dass die Menschen vor ihren Augen mit Ja stimmten.

"Widerstand geht weiter"
In einem Wahllokal mit 412 abgegebenen Stimmen sei zunächst öffentlich ausgezählt worden, berichteten die Beobachter. Nachdem nur 15 Stimmen für und 37 gegen die Verfassung registriert worden waren, sei die Auszählung abgebrochen und hinter verschlossenen Türen fortgesetzt worden.

"Das Referendum war unfair, wie wir vorausgesehen hatten", schrieb der Leiter der Kampagne, Aung Din. Die Opposition werde trotz Einschüchterungen nicht ruhen und den Wahlbetrug offenlegen. "Der Widerstand geht weiter", schrieb er.

Junta: Überwältigende Zustimmung
Nach Angaben der Militärmachthaber ist mit überwältigender Zustimmung der Bevölkerung für das Referendum zu rechnen. Die Öffnungszeiten der Abstimmungslokale seien an einigen Orten verlängert worden, damit alle Bürger ihre Stimme abgegeben konnten, meldete das Sprachrohr des Regimes "The New Light of Myanmar" am Sonntag. "Das Referendum war von Erfolg gekrönt", hieß es.

Termin von Astrologen festgesetzt
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte das burmesische Regime zuvor vergeblich dazu aufgerufen, die Volksabstimmung zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen.

Auch die Opposition hatte eine Verschiebung des Referendums gefordert - vor allem, um den Hunderttausenden, die bei der Katastrophe vor einer Woche Angehörige verloren, Zeit zum Trauern zu geben. Der abergläubische Juntachef Than Shwe habe aber auf Anraten von Astrologen darauf bestanden, an dem Wahltermin festzuhalten, heißt es.

"Wettlauf gegen die Zeit"
Nach Einschätzung der britischen Hilfsorganisation Oxfam ist das Leben von bis zu 1,5 Millionen Menschen akut durch Seuchen gefährdet. Sollten die Überlebenden nicht schnell sauberes Wasser und Zugang zu sanitären Einrichtungen erhalten, drohe ihnen der Tod, sagte die Regionaldirektorin von Oxfam, Sarah Ireland, in Thailand. Das Hilfswerk World Vision Australien sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit".

Die Überlebenden seien Wind und Wetter ausgesetzt, berichtete Tim Costello, der Präsident von World Vision Australien, am Samstag telefonisch aus Rangun.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge leiden einige Kinder bereits an Atemwegserkrankungen, dem Kinderhilfswerk UNICEF zufolge sind in einigen Gebieten bis zu 20 Prozent der Kinder an Durchfall erkrankt.

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