Die Vereinten Nationen (UNO) schickten drei weitere Flugzeuge und mehrere Lastwagen voller Hilfsgüter, die Verteilung läuft allerdings nur schleppend. Ausländische Katastrophenexperten durften nach wie vor nicht einreisen.
Generäle als Retter in der Not
Das burmesische Staatsfernsehen zeigte ständig Bilder, wie Generäle, darunter auch der Chef der Militärjunta, Generalissimus Than Shwe, Kisten an Überlebende der Sturmkatastrophe verteilten.
Auf einer Kiste war beispielsweise der Name von Generalleutnant Myint Swe zu lesen. Die dicke Aufschrift überdeckte den kleineren Aufdruck "Hilfe aus dem Königreich Thailand".
Dramatik in Rangun
"Wir haben schon gesehen, dass regionale Kommandanten ihre Namen auf Hilfslieferungen aus Asien geschrieben haben und behaupten, es sei ein Geschenk von ihnen", berichtete Mark Farmaner, Direktor der Menschenrechtsorganisation Burma Campaign UK.
Weil die Militärjunta keine ausländischen Logistiker und Helfer ins Land lässt, verlaufen Organisation und Verteilung der Hilfe nur schleppend. Mitarbeiter der Hilfsorganisation Humedica meldeten aus Rangun, die Lage in der zerstörten Metropole sei an Dramatik und Traurigkeit kaum zu überbieten: "Es gibt keine Nahrungsmittel und kein sauberes Trinkwasser. Die physisch und psychisch angeschlagenen Menschen verhungern und verdursten. Mit jeder Minute, die ohne internationale Hilfe vergeht, sterben Menschen, die gerettet werden könnten."
Erster Konvoi umgeleitet
Ein Konvoi des Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit 20 Tonnen Zelten und Plastikplanen für 10.000 Menschen startete im thailändischen Grenzort Mae Sot in Richtung Rangun. Die beiden Lastwagen wurden etwa einen Kilometer hinter der Grenze vom Militär in ein Kloster dirigiert, berichtete das ZDF, das die Wagen mit versteckter Kamera drehte.
Das UNHCR bemühe sich, die so dringend benötigten Hilfsgüter so schnell wie möglich wieder auf den Weg zu bringen, sagte eine Sprecherin.
Das Rote Kreuz hat nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten. Hilfsflüge seien bisher nicht behindert worden. Das Rote Kreuz in Burma habe 200 Festangestellte und mehr als Tausende freiwillige Helfer, die die Hilfsgüter verteilen. Wie Ärzte ohne Grenzen am Sonntag mitteilten, haben drei Flugzeuge der Hilfsorganisation eine Zusage für Landung und Verteilung von Hilfsgütern.
Frankreich setzt auf Direkthilfe
Frankreich will sich über Anweisungen des burmesischen Militärs, alle Hilfe abzuliefern und von einheimischen Soldaten verteilen zu lassen, hinwegsetzen. Frankreich werde das Kriegsschiff "Mistral" mit 1.500 Tonnen Hilfsgütern entsenden, kündigte Außenminister Bernard Kouchner. "Es kommt nicht infrage, die Hilfe direkt an die Junta zu liefern."
Mittlerweile trafen auch erste Hilfsgüter aus Russland in dem verarmten Land ein.
Verhandeln um Freigabe
Das Welternährungsprogramm (WFP) verhandelte in Rangun mit dem Militär am Samstag noch über die Freigabe der Lieferungen vom Freitag. Sie waren ohne Zustimmung der Organisation auf dem Flughafen in ein Lagerhaus gebracht worden. Das WFP setzte seine Flüge am Samstag dennoch fort. "Angesichts der humanitären Krise sind wir einfach verpflichtet weiterzumachen", sagte Sprecher Marcus Prior in Bangkok.
Die Kinderhilfsorganisation Save the Children betonte, ihre Mitarbeiter hätten inzwischen Hilfe an rund 72.000 Zyklon-Opfer verteilt. Sorgen machen ihnen aber weitere Regenstürme, die Burma nach Vorhersagen kommende Woche erreichen sollen.
Furcht vor Seuchen
Nach Einschätzung der Hilfsorganisationen wird die Lage der Überlebenden im Irrawaddy-Delta immer prekärer. Weil die Menschen dort kein sauberes Trinkwasser haben und ohne Schutz vor der Mückenplage im Freien leben müssen, gelten Cholera-, Diphtherie- und Malariaepidemien als echte Gefahr. Bisher traten nach Informationen des Kinderhilfswerks UNICEF allerdings noch keine Fälle auf.
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