Schon nach Alemannos Sieg gegen den Mitte-links-Kandidaten und früheren Kulturminister Francesco Rutelli vor rund einer Woche bejubelten seine Anhänger ihn vor dem Kapitol, dem Sitz des römischen Rathauses, mit dem ausgestreckten Arm, dem faschistischen Gruß und "Duce"-Rufen.
"Archetyp der Klassizität"
Dass die Pläne des Neo-Bürgermeisters nicht nur das Aufstocken der Polizei und ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Immigranten umfassen, verwundert kaum. Alemanno will die unter Mussolini errichteten faschistischen Prunkbauten sanieren, weil sie signifikante Denkmäler der italienischen Baukultur seien.
"Für Alemanno ist dieser Baustil der Archetyp der Klassizität", erklärte der prominente Kunsthistoriker Maurizio Calvesi jüngst dem Deutschlandradio.
Meiers kühne Marmorhalle
Moderne Architektur ist ihm hingegen ein Dorn im Auge: Er will das erst vor zwei Jahren eröffnete neue Ara-Pacis-Museum im Stadtzentrum jetzt wieder abreißen. Seit Jahren wettert der Politiker gegen diese vom US-Stararchitekten Richard Meier entworfene kühne Halle aus Glas, Stahl und weißem Marmor, in der der weltberühmte Friedensaltar des Augustus untergebracht ist.
Kritik an dem von manchen als "überdimensionale Tankstelle" bezeichneten Gebäude gab es schon immer. Der neue alte Regierungschef Silvio Berlusconi sprach einst von einer "Monstrosität". Für Rom war das Bauwerk aber ein erster wichtiger Schritt weg vom Image als in Sachen Architektur ewiggestrige Stadt, in der zeitgemäßes Bauen bestenfalls in die Außenbezirke gedrängt wurde.
Volksabstimmung geplant
Genau dort könnte Meiers Gebäude aber jetzt auch landen: Alemanno deutete bereits mehrmals an, dass er es am liebsten abtragen und in einem Vorort wiedererrichten lassen würde - was vielleicht die noch größere Provokation wäre als ein vollständiger Abriss.
Inzwischen hat der Neo-Bürgermeister diesen Plan leicht abgeändert: Bei einer Volksabstimmung im Herbst will er die Entfernung des Meier-Baus legitimieren lassen. Er spricht von einem "Schönheitsfehler im Herzen Roms" und einem "Akt intellektueller Arroganz gegen die römischen Bürger".
Zum Dialog bereit
Für Meier ist die Debatte über sein international durchwegs gelobtes Gebäude unverständlich. Er verwies darauf, dass sich das Ara-Pacis-Museum nach dem Petersdom und dem Kolosseum immerhin an dritter Stelle der am öftesten besuchten Gebäude der Stadt befinde.
Er wolle nach Rom reisen, um eine Lösung zu finden, sagte der US-Stararchitekt der "Repubblica". Ob sich seine Idee eines fruchtbaren Dialogs - "Vielleicht können wir gemeinsam eine Lösung finden" - mit Alemanno umsetzen lässt, wird sich weisen.
2006 gegründet, schon reformiert
Mehrere andere Gebäude in der Innenstadt sind dem neuen Bürgermeister ebenfalls ein Dorn im Auge - etwa das 2002 eröffnete, mehrfach preisgekrönte Auditorium Parco della Musica von Renzo Piano.
In dem Veranstaltungszentrum findet unter anderem das römische Filmfest statt, das bereits heuer massiv umgestellt wird: Das Festival, das erst 2006 von Alemannos Vorgänger Walter Veltroni ins Leben gerufen wurde, soll künftig von der "italienischen Filmproduktion" geprägt werden - mehr dazu in "Filmfest wird umgekrempelt".
Zeitgenössische Musik und Tanz will der neue Bürgermeister ohnehin aus dem Auditorium entfernen. Und ein neuer Leiter soll den Palazzo delle Esposizioni, die prestigeträchtigste Kunsthalle der Stadt, künftig mit Ausstellungen über die Geschichte Roms bespielen.
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