Laut den Angaben der Behörden begann das Martyrium der Frau schon als Elfjährige. Ab diesem Zeitpunkt sei sie vom Vater missbraucht worden. Acht Jahre später, am 28. August 1984, habe er sie betäubt, mit Handschellen gefesselt und in das Verlies gesperrt.
Sieben Kinder gezeugt
Der heute 73-Jährige täuschte vor, dass seine Tochter seither abgängig war. Auch in Medien trat er als besorgter Vater einer Vermissten auf, die von 1993 bis 2002 drei Kinder vor der Haustüre abgelegt habe. Tatsächlich hatte er die Kinder selbst aus dem Verlies geholt.
Laut den Ermittlungen zeugte der Mann sieben Kinder mit seiner Tochter. Eines davon starb im Verlies, der Mann soll die Leiche verbrannt haben. Drei Kinder - die 19-jährige Kerstin, der 18-jährige Stefan und der fünfjährige Felix - waren mit der Mutter in dem Verlies gefangen.
Samstagabend bei Spital gefasst
Ins Rollen gekommen war der Fall am Samstag vor einer Woche wegen der inzwischen lebensgefährlich erkrankten 19-jährigen Kerstin. Der Mann hatte erklärt, auch sie sei in seinem Haus abgelegt worden und von der Tochter fehle jede Spur.
Seither wurde nach der 42-Jährigen von der Exekutive auch über die Medien gesucht. Nach einem vertraulichen Anruf griff die Polizei Vater und Tochter am Samstagabend jedoch in der Nähe des Amstettner Krankenhauses auf, wo die Ärzte um das Leben der 19-Jährigen kämpfen.
Umfassende Aussage des Opfers
Laut der Exekutive machte die 42-Jährige einen "äußerst verstörten psychischen und einen auffälligen physischen Eindruck". Als man ihr zugesichert habe, dass sie und ihre Kinder nun sicher seien und es zu keinem Kontakt mehr mit dem Vater kommen werde, sei sie zu einer umfassenden Aussage bereit gewesen.
Demnach werden die Mutter und ihre Kinder von einem Kriseninterventionsteam betreut. Die Ermittlungen der Polizei laufen weiter auf Hochtouren. Unklar ist etwa, ob immer wieder von der Frau aufgetauchte Briefe überhaupt fingiert oder unter Zwang geschrieben wurden.
Verlies noch nicht gefunden
Das Verlies wurde noch nicht gefunden. Die Exekutive erklärte, es müsse bei der Suche mit äußerster Vorsicht vorgegangen werden. Man könne nicht ausschließen, dass der Ingenieur es mit Sprengfallen abgesichert hatte. Der Verdächtige verweigert bisher jede Aussage.
Auch die eigene Frau konnte der Mann offenbar täuschen. Laut den Aussagen der Tochter wurden sie und ihre Kinder allein von ihm mit Nahrung und Kleidung versorgt. Die Polizei sprach von einem der aufsehenerregendsten Fälle in Österreichs Kriminalgeschichte.
"Dinge, die will man gar nicht sehen"
Die Spurensuche dauerte am Sonntagnachmittag an. Männer in weißen Overalls waren bei einem kleinen Gartenhaus hinter hohen Büschen zu sehen. "Es gibt Dinge, die will man gar nicht sehen. Je weniger Bilder man im Kopf hat, umso besser", sagte ein Polizeibeamter.
TV-Hinweis
Aus aktuellem Anlass steht die Sendung "Im Zentrum" am Sonntag um 21.55 Uhr in ORF2 im Zeichen des Gewaltaktes.
Bei Peter Pelinka diskutieren Innenminister Günther Platter (ÖVP), Bundeskriminalamtschef Franz Lang, Kinderpsychiater Max Friedrich (angefragt), die Kriminologin Katharina Beclin und die Journalistin Anneliese Rohrer.
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