"Sie haben gemeinsam mit dem Heiligen Vater gebetet, und anschließend hat er ihnen zugehört und ihnen Worte der Ermutigung und der Hoffnung gespendet", erklärte der Vatikan.
Das Treffen fand in der Kapelle der Vertretung des Vatikans in Washington statt. Es soll 25 Minuten gedauert haben. Einige der "fünf bis sechs" Teilnehmer seien in Tränen ausgebrochen, verlautete aus Vatikankreisen.
Auch Kritik von Opfern
Vertreter von Missbrauchsopfern - ob es sich dabei um jene handelt, mit denen sich der Papst traf, ist unklar - hatten sich zuvor enttäuscht von Äußerungen des Papstes zum Pädophilieskandal gezeigt. "Der Papst steht weiterhin hinter diesen Männern - den Bischöfen, die die Verbrechen des Klerus verheimlicht haben", kritisierte Joelle Casteix vom Netzwerk der vom Missbrauch durch Priester betroffenen Opfer (SNAP).
Vielmehr müssten Bischöfe, die Schuldigen den Rücken freihielten, entlassen und schuldige Priester aus dem Amt gejagt werden, forderte sie. Die Skandalserie um Kindesmissbrauch und kirchliche Vertuschung stürzte die katholische Kirche in den USA in ihre bisher tiefste Krise. Allein im vergangenen Jahr zahlte die Kirche 400 Millionen Dollar Schmerzensgeld an Opfer.
Papst-Schelte für US-Kirche
Bei seinem Besuch in den USA kritisierte der Papst das Krisenmanagement der US-Kirche in dem Skandal. Die Kirche sei mit dem Problem "manchmal sehr schlecht umgegangen", sagte Benedikt bei einem Treffen mit US-Bischöfen in Washington.
Bei einer Messe vor fast 50.000 Gläubigen drückte der Papst am Donnertag sein Bedauern über den Kindesmissbrauch durch Priester aus: "Keines meiner Worte könnte den Schmerz und den Schaden beschreiben, den solcher Missbrauch verursacht." Bei dem Gottesdienst warnte er vor der "zunehmend weltlichen und materialistischen Kultur" in den USA.
Papst-Versprechen bei Open-Air-Messe
Der Papst versicherte den Gläubigen, die Kirche habe Lehren aus dem Pädophilieskandal gezogen. Sie gehe "aufrichtig und fair mit dieser tragischen Situation" um und stelle sicher, "dass Kinder in einer sicheren Umgebung aufwachsen können", sagte der Papst während der Open-Air-Messe im Sportstadion von Washington.
Bereits am Vorabend hatte der Papst jene Priester, die sich an Minderjährigen vergingen, als "ernsthaft unmoralisch" gescholten. Das Problem betreffe aber nicht nur die Kirche, sondern "den größeren Zusammenhang von Sexualmoral" in der ganzen Gesellschaft.
"Pornografie und Gewalt sind heute in vielen Haushalten durch die Medien weithin zugänglich", kritisierte Benedikt.
Warnung vor Werteverfall
In seiner Predigt warnte Benedikt vor Werteverfall und Abwendung vom Glauben. In der zunehmenden Verweltlichung der Kultur in den USA sehe er "Anzeichen für einen besorgniserregenden Zusammenbruch gesellschaftlicher Grundwerte". Er nannte die Lockerung von Moralvorstellungen, die Lösung sozialer Bindungen und "das zunehmende Vergessen der Existenz Gottes".
Zugleich würdigte der Papst die Vielfalt des religiösen Lebens in den USA. "Die Amerikaner sind immer ein Volk der Hoffnung gewesen", sagte der Papst, der auch an die "historische Ungerechtigkeit" der Sklaverei und des Umgangs mit den nordamerikanischen Ureinwohnern erinnerte.
Placido Domingo mit 570 Sängern
An der Zeremonie in Washington waren Startenor Placido Domingo sowie vier Chöre mit insgesamt 570 Sängern beteiligt, die nicht nur auf Englisch, sondern unter anderem auf Deutsch, Hebräisch, Koreanisch und Zulu sangen.
14 Kardinäle, 250 Bischöfe und 1.300 Priester standen dem Papst bei der Freiluftmesse zur Seite. Die Teilnehmer der Messe waren bereits ab 5.00 Uhr morgens in das neue Stadion der Baseball-Mannschaft Nationals gekommen.
Rede vor der UNO geplant
Am Freitag wollte der Papst nach New York weiterreisen, wo eine Rede vor den Vereinten Nationen und ein Besuch in einer Synagoge geplant sind. Mit seiner zweiten großen Freiluftmesse im New Yorker Yankees-Stadion will der Papst am Sonntag seine Reise abschließen.
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