Von Kochrezepten, Liebesschwüren, hastig durchgegebenen Einkaufslisten und dergleichen fühlt sich so mancher Fahrgast belästigt. Kritiker sehen darin eine Lärmbelästigung und eine "akustische Umweltverschmutzung".
Linz und Graz als Vorreiter
Während die EU-Kommission gerade den Weg für Handytelefonie in Flugzeugen freigemacht hat, ist in Österreich eine heftige Debatte über ein Handyverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln ausgebrochen.
So wird bereits in Graz und Linz über ein Telefonierverbot in Straßenbahn und Bus nachgedacht.
Nagl will Nägel mit Köpfen machen
Ein vom Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl angekündigtes Handyverbot in Straßenbahnen und Bussen sorgt in Graz für Diskussionen. Geht es nach Nagl, soll demnächst ein "sanftes Verbot" - ohne Strafen - umgesetzt werden.
Auch die grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker hält das "für eine sinnige Geschichte".
Verkehrsbetriebe wenig begeistert
Die Grazer Verkehrsbetriebe bzw. deren Mutter, die Grazer Stadtwerke AG, sind weniger begeistert, wollen aber "prüfen".
Nagl-Sprecher Thomas Rajakovics bestätigte Aussagen des Bürgermeisters in der "Kleinen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe), dass er in den Grazer "Öffis" ein Handyverbot durchsetzen will.
Pickerl statt Kontrollen
"Es sind keine extra Kontrollen und Strafen geplant, es soll nur mittels Pickerl - wie jene, die das Eisessen untersagen - klargemacht werden, dass Telefonieren unerwünscht ist", so Rajakovics, der diese Maßnahmen als "Trägerrakete" für weitergehende Lärmschutz- und Maßnahmen zur Hebung der Lebensqualität sieht - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
Sorgen um Jüngere
Die Rückmeldungen seien tendenziell positiv, wenn auch altersmäßig unterschiedlich, so Rajakovics. Gerade um das jüngere Publikum macht sich auch Stadtwerke-Sprecherin Katharina Hofmann-Sewera Sorgen.
"Wir haben bisher nicht nichts gemacht, aber eher auf Bewusstseinsbildung gesetzt. Es gibt ja verschiedene Störfaktoren, die individuell unterschiedlich drastisch gesehen werden. Außerdem betreiben auch wir Marketing mit dem Handy, und Handynutzer sind auch unsere Zielgruppe."
Eher skeptisch sind Fahrgastvertreter, die fürchten, dass so ein Aspekt, der für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel spricht, wegfällt.
Heftige Diskussion auch in Linz
Auch in Linz gibt es seit einiger Zeit eine Diskussion über ein mögliches Handyverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Linz AG zeigt sich zwar durchaus aufgeschlossen, will aber keinen Alleingang versuchen, wie Vorstandsdirektor Walter Rathberger der APA sagte.
Stattdessen wolle man das Thema im Mai bei einer Tagung des Fachverbands für Schienenverkehr auf die Tagesordnung setzen. Aus der Stadtpolitik habe er allerdings negative Signale erhalten.
Fahrgäste beschweren sich
Sollten alle Landeshauptstädte gemeinsam ein Handyverbot erlassen, wäre Linz dabei, so Rathberger. Allerdings müssten vorher noch rechtliche Fragen und die Art der Kontrolle geklärt werden.
Beschwerden von Fahrgästen gebe es. Sie würden sich in erster Linie auf die Lärmbelästigung beziehen, die "sicher ein Ausmaß angenommen hat, wo es nicht mehr angenehm ist". Man wolle sich aber auch wissenschaftlich mit dem Thema Strahlung auseinandersetzen, sagte Rathberger.
Auch Durchsagen möglich
Sollte kein Handyverbot zustande kommen, überlegt die Linz AG andere Maßnahmen, um die mobile "Telefonitis" in den Straßenbahnen einzudämmen. Rathberger kann sich eine Plakatkampagne vorstellen oder Durchsagen, in denen man die Fahrgäste ersucht, vom Telefonieren Abstand zu nehmen.
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