Die Gruppen seien lose organisiert, aber trotzdem eng mit dem international agierenden Terrornetzwerk Osama bin Ladens vernetzt, hieß es dazu in einem Bericht des Pentagons vom vergangenen Juli.
Aktionen im "Lizenzverfahren"
"Es ist wahrscheinlich die neueste Region, wo El Kaida sich zu einer ernstzunehmenden Organisation entwickelt hat", sagte damals US-Verteidigungsminister Robert Gates.
Die Gruppen agierten dezentralisiert, so die Einschätzung von US-Terrorexperten. Es gebe weltweit quasi Operationen nach dem "Lizenzverfahren".
Die Aktivitäten würden über Internet und Videos koordiniert. Die verschiedenen Gruppen unterstützten einander dabei finanziell sowie bei der Rekrutierung neuer Mitglieder und sprächen Taktik und Strategie untereinander ab.
Ausbildungslager angeblich in Mali
In Mali wollte der US-Geheimdienst im Sommer mobile Basen von Extremisten ausgemacht haben, in denen Kämpfer für den Irak und Afghanistan ausgebildet würden.
Verheerendes Attentat auf Djerba
Allerdings schlugen islamische Extremisten auch in Nordafrika bereits mehrfach zu. Eines der bisher schlimmsten Attentate ereignete sich am 11. April 2002, als ein Selbstmordanschlag auf die von Touristen besuchte Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba 21 Menschen tötete.
Der Anschlag geschah genau sieben Monate nach den verheerenden Attentaten auf New York und Washington vom 11. September 2001 und wurde El Kaida zugeschrieben.
32 Sahara-Touristen entführt
Im Frühjahr 2003 hielt die Entführung von 32 europäischen Sahara-Touristen, darunter zehn Österreicher, durch die in Algerien gegründete "Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf" (GSPC, Groupe salafiste pour la predication et le combat) die Öffentlichkeit wochenlang in Atem. Die Touristengruppe wurde am 21. März in der algerischen Sahara entführt.
Monatelang in Geiselhaft
Nach mehr als 50 Tagen Geiselhaft konnten am 13. Mai die acht Salzburger und zwei Tiroler gemeinsam mit sechs Deutschen und einem Schweden vom algerischen Militär befreit werden.
Die übrigen Geiseln wurden erst Mitte August, angeblich nach Zahlung eines Lösegeldes, in Mali freigelassen. Eine deutsche Touristin überlebte die Strapazen nicht und starb am 28. Juni an einem Hitzschlag.
Selbstmordattentate in Casablanca
Auch Marokko wurde bereits von terroristischen Aktivitäten heimgesucht. Das bisher schwerste Attentat erfolgte am 17. Mai 2003, als vier aufeinander abgestimmte Selbstmordanschläge in der marokkanischen Großstadt Casablanca 45 Tote forderten.
Die Attentate im Finanz- und Diplomatenviertel trafen ein Luxushotel, ein jüdisches Gemeindezentrum, das belgische Konsulat und ein spanisches Kulturhaus samt Restaurant.
Angriff auf Regierungssitz in Algier
Besonders schwer traf der Terror im vergangenen Jahr die algerische Hauptstadt Algier. Am 11. April 2007 griffen Selbstmordattentäter den Regierungspalast und eine Polizeistation an, 33 Menschen starben.
Genau acht Monate später, am 11. Dezember, folgte ein weiteres verheerendes Attentat in der Hauptstadt: Die Attentäter attackierten ein UNO-Büro sowie das Gebäude des Obersten Gerichtshofs. 41 Menschen starben, darunter 17 UNO-Mitarbeiter. Zu beiden Anschlägen in Algier bekannte sich die Nachfolgeorganisation der GSPC, die "El-Kaida-Organisation im Islamischen Maghreb".
Unruhen seit 1991
Algerien war seit 1991 von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und der Regierung heimgesucht worden.
Damals hatte die fundamentalistische "Islamische Heilsfront" (FIS) die ersten freien Wahlen in Algerien triumphal gewonnen. Daraufhin übernahm die laizistische orientierte Armeespitze die Macht, um die islamistische Partei an der Übernahme der Regierung und der möglichen Errichtung eines "Gottesstaates" zu hindern. Die Anhänger der FIS antworteten mit bewaffnetem Kampf, der sich über Jahre hinzog.
GSPC über Algerien hinaus aktiv
Auch die heutige "El-Kaida-Organisation im Islamischen Maghreb" stammt von diesem Hintergrund ab. Ursprünglich war die GSPC nur in Algerien tätig und kämpfte in dem Bürgerkrieg gegen die algerische Regierung.
Sie strebte die gewaltsame Schaffung einer fundamentalistisch-islamischen Staats- und Gesellschaftsordnung in Algerien an. Die neue Gesamtstrategie sieht eine Ausweitung von Operationen auf den ganzen Maghreb vor - also Tunesien, Algerien und Marokko, aber teilweise auch Libyen und Mauretanien.
Links:
- Algerische Regierung
- Stichwort: GSPC (Wikipedia)