Während Bono Vox auch auf der Bühne stets Sonnenbrillen trägt, müssen seine Anhänger auf ein weniger modisches Accessoire zurückgreifen, um den Konzertfilm in vollem Umfang zu erleben: 3-D-Brillen.
Nur in elf Sälen
"U2 3D" ist einer der ersten Filme einer neuen 3-D-Welle in den Kinos. Der Livemitschnitt der Iren ist vorerst nur in elf Kinosälen in ganz Österreich zu sehen.
Mehr sind noch nicht mit jener digitalen Projektionstechnologie ausgestattet, die das schon in den 50ern und in den 80ern groß verkündete Versprechen vom dreidimensionalen Filmerlebnis tatsächlich einlösen soll.
Studios machen Druck
Jetzt soll sich 3-D also in großem Stil durchsetzen. Bei der ShoWest, der weltweit größten Messe für die Kinobranche, die gerade in Las Vegas zu Ende ging, war 3-D das große Thema. Etliche neue Produkte - Brillen, Projektoren, Leinwände - wurden dort präsentiert.
Vor allem aber scheint laut einem Bericht der "New York Times" ("NYT") ein Bann gebrochen: Die Filmstudios warten nicht mehr darauf, bis die zögernden Kinobetreiber ihre Säle umgerüstet haben, sondern produzieren einfach munter drauflos und erzeugen so Druck.
Parodie auf B-Movies
Besonders ironisch: Ausgerechnet eine Parodie auf das Science-Fiction-Kino der 50er Jahre, jener Ära, in der trashige 3-D-Filme erstmals Furore machten, steht mit an vorderster Front der neuen Welle.
Im Animationsfilm "Monsters vs. Aliens" passiert genau das, was der Titel verspricht: Monster kämpfen gegen Außerirdische. Hinter dem Projekt stehen die "Shrek"-Macher von DreamWorks Animation.
Schleichende Umstellung
DreamWorks-Chef Jeffrey Katzenberg, einst mächtiger Manager der Disney-Filmsparte, gilt als begeisterter Anhänger der neuen Technologie. Er rechnet laut "NYT" damit, dass 2009 etwa zehn Filme in 3-D herauskommen werden.
Solange die neuen Projektoren noch nicht Standard in allen Kinos sind, werden die Studios neue Filme parallel in zwei und in drei Dimensionen veröffentlichen müssen, doch schon bald, prophezeit Katzenberg, soll die Branche komplett auf 3-D umgestiegen sein.
Analoge Projektoren zuverlässiger
Das größte Hindernis sind nach wie vor die Kosten. In den USA ist erst ein Achtel aller Kinosäle auf digitale Projektion umgestellt - von der erforderlichen Brillentechnologie ganz zu schweigen.
Die vergleichsweise teure Herstellung physikalischer Filmrollen fällt damit zwar weg. Allerdings machen viele Betreiber die Erfahrung, dass die digitalen Projektoren deutlich fehleranfälliger, wartungsintensiver und längerfristig teurer sind als die robuste, traditionelle Analogtechnologie mit ihren billigen Ersatzteilen.
"Es hat klick gemacht"
"Vor zwei Jahren haben wir noch gezittert: Werden sich die Leute dafür interessieren, wenn wir diese Plattform aufbauen? Inzwischen wird fast jede Woche ein neuer Film angekündigt. Es hat klick gemacht", zitiert die "NYT" Michael Lewis, den Geschäftsführer des derzeitigen Marktführers in Sachen 3-D-Technologie, Real D.
Jüngstes Beispiel ist Hannah Montana alias Miley Cyrus, die in den USA immens populäre Hauptdarstellerin der gleichnamigen Teenie-Serie. Ihr 3-D-Konzertfilm "Hannah Montana & Miley Cyrus: Best of Both Worlds Concert" hat mehrere Kassenrekorde für 3-D-Filme gebrochen.
Insgesamt halten sich animierte und Realfilme die Waage. New Line Cinema, das Filmstudio hinter der "Herr der Ringe"-Reihe, das inzwischen zum Unterhaltungsmulti Time Warner gehört, wird noch heuer die Jules-Verne-Neuverfilmung "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde 3D" herausbringen.
Camerons Innovationen
Und dann ist da noch James Cameron. Der Kultregisseur mit einem Faible für technische Innovationen hat in Hollywood schon oft hoch gepokert und meistens gewonnen: Mit "Terminator 2" brachte er 1991 erstmals computergenerierte Spezialeffekte in großem Stil auf die Leinwand; mit "Titanic" sprengte er alle Budgetgrenzen und schuf so den Nährboden fürs heutige Effektkino mit seinen immensen Produktionskosten.
"Avatar" in 3-D
Wenn Cameron nun nach über einem Jahrzehnt Pause - abgesehen von diversen Unterwasser-Dokus, die er quasi nebenher drehte - wieder im Regiesessel sitzt, wird er womöglich eine weitere Kinorevolution auslösen. Sein mit Spannung erwartetes Science-Fiction-Epos "Avatar" kommt am 18. Dezember 2009 in die Kinos - in 3-D.
Sein Erfolg oder Misserfolg wird die Kinobetreiber letztlich entscheidend beeinflussen, ob jetzt, ein halbes Jahrhundert nach der belächelten Ära der Kartonbrillen und nach mehreren ähnlich erfolglosen Startversuchen, das 3-D-Zeitalter im Kino tatsächlich anbricht.
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