Sensibles Material "verschwunden"

Das FBI will von nichts wissen.
Schwere Vorwürfe gegen die US-Bundespolizei FBI: Die Bundesbehörde wird beschuldigt, ein Schlüsseldokument, das detailliert Beweise gegen korrupte Regierungsbeamte aufzählt, verschwinden lassen zu haben, wie die "Sunday Times" berichtet.

Ins Rollen gebracht hat die Affäre Sibel Edmonds, die bei den FBI-Ermittlungen gegen das Netzwerk mitarbeitete. Edmonds, laut "Sunday Times" eine 37 Jahre alter Türkisch-Übersetzerin, hörte sich im Washingtoner Büro der Behörde Hunderte vom FBI abgehörte Gespräche über den Fall an.

Vom Schwarzmarkt nach Pakistan
Sie sagte der Zeitung, dass das FBI ein von Türken und Israelis geleitetes Netzwerk, das hochrangige US-Beamte für geheime Informationen über Atomwaffen bezahlt, untersuchte.

Die gestohlenen Informationen wurden dann auf dem internationalen Schwarzmarkt für horrende Summen an Länder wie Pakistan und Saudi-Arabien verkauft.

FBI: Dokument existiert nicht
Ein Schlüsseldokument, das dies alles beweisen soll, existiert laut FBI allerdings nicht. Es trug laut Angaben der Zeitung die Aktennummer 203A-WF-2100023. Eine Anfrage nach dem "Freiheit-der-Information-Gesetz" auf Freigabe ebendieses Dokuments wies das FBI zurück. Eine dementsprechende Aktenzahl und das Dokument würden nicht existieren, hieß es von offizieller FBI-Stelle.

Unterschrift liegt vor
Der "Sunday Times" liegt aber laut eigenen Angaben ein von einem hochrangigen FBI-Beamten unterschriebenes Dokument vor, das bestätigt, dass die brisanten Unterlagen doch existieren.

"Unverblümte Lüge" des FBI
Edmonds glaubt, dass etwas vertuscht wird. Die Unterlagen, die ein Spionagenetzwerk belegen, würden vom FBI absichtlich und bewusst zurückgehalten, da sie einige Sprengkraft besäßen. Sie beschuldigt das FBI einer "unverblümten Lüge".

Zum Staatsgeheimnis erklärt
"Ich versichere Ihnen, dass das Dokument und die Operationen, auf die es sich bezieht, zwischen 1996 und Februar 2002 existiert haben", so Edmonds.

Die Unterlagen würden sich auf ein Spionageabwehrprogramm beziehen, das das US-Justizministerium zum Staatsgeheimnis erklärt habe, um sensible diplomatische Beziehungen zu schützen, so die ehemalige FBI-Mitarbeiterin weiter.

Auch Menschenrechtsgruppe sucht danach
Die Herausgabe des Dokuments mit Verweis auf den "Freedom of Information Act" wurde nicht von Edmonds selbst eingebracht. Die US-Menschenrechtsgruppe Liberty Coalition forderte die Unterlagen nach einem anonymen Tipp vom FBI an.

In dem anonymen Brief an die Liberty Coalition werden auch Angaben über den Inhalt der brisanten Akte gemacht. Sie decken sich laut "Sunday Times" mit den Informationen von Edmonds. Auf die Spekulationen, Edmonds habe den Brief an die Organisation geschrieben, geht die britische Zeitung allerdings nicht ein.

"Pakistanischer Geheimdienst steckt dahinter"
Edmonds sagte der Zeitung auch, dass türkische Diplomaten in dem Netzwerk oft nur Strohmänner gewesen seien. Sie würden zwar die US-Beamten zu dem gut bezahlten Geheimnisverrat anstiften, die Hintermänner seien allerdings beim pakistanischen Geheimdienst ISI zu suchen.

Der Grund laut Edmonds: Die türkischen Diplomaten würden weniger Verdacht erregen als die pakistanischen Spione.

"Maulkorb" für Edmonds
Edmonds hat nach eigenen Angaben ihre Informationen bereits dem US-Kongress und dem US-Justizministerium weitergeleitet. Laut "Sunday Times" erhielt sie daraufhin einen "Maulkorb": Sie darf keine weiteren Details bekanntgeben. Nun ermitteln die Behörden.

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