Die Substanz besteht vor allem aus dem Hormon Orexin A und kann einfach per Nasenspray verabreicht werden. Affen, die 30 bis 36 Stunden lang vom Schlafen abgehalten worden waren, waren nach Einnahme des Präparates nicht von ausgeruhten Tieren zu unterscheiden.
"Komplett neuer Weg"
Die Gehirnaktivitäten der künstlich wach gehaltenen Tiere glichen denen von ausgeschlafenen auch bei genauesten Untersuchungen bis ins Detail, betont der Psychiater Jerome Siegel. Das mache den Unterschied zu gängigen Mitteln aus.
Das Mittel "reduziert Schläfrigkeit, verursacht dabei aber keine Angespanntheit", so Siegel gegenüber dem US-Magazin "Wired". Er spricht von einem "komplett neuen" und "relativ sanften" Weg, die Wachheit zu steigern. Orexin A mache einfach nur wach - ohne Nebeneffekte.
Körpereigener Botenstoff
Orexin A ist ein im Körper vorkommendes Botenstoff-Hormon, das den Schlaf-Wach-Zyklus steuert. Der Wirkung des Neuropeptids kamen die Forscher durch Untersuchungen an Narkoleptikern - Menschen, die unter krankhaftem Schlafdrang leiden - auf die Spur.
Narkoleptikern fehlt Orexin A völlig, fanden die Wissenschaftler heraus. Sie zogen daraufhin einfach den Umkehrschluss, dass die Verabreichung von Orexin A wach machen müsse. Müdigkeit ist aus der Sicht der Forscher somit nichts anderes als ein Mangel an Orexin A.
Keine der üblichen Nebenwirkungen
Bisher habe man immer nur Symptome von Müdigkeit bekämpft, so Siegel. "Wenn aber die Ursache zu wenig Orexin ist, und das ist es ganz eindeutig, dann ist die beste Kur dagegen Orexin". Der Stoff habe etwa bei ausgeruhten Versuchstieren keinerlei Wirkung gezeigt.
Bei den ermüdeten Affen wiederum seien keine der üblichen Nebenwirkungen anderer Schlafblocker zu beobachten gewesen: Der Blutdruck blieb normal, auch seien keine anderen Gehirnfunktionen in Mitleidenschaft gezogen worden.
Militär als Sponsor
Damit unterscheidet sich das Präparat laut Siegel etwa auch von Amphetaminen, wie sie etwa Militärpiloten vor Langzeitflügen verabreicht werden. Nicht von ungefähr wurden Siegels Studien auch von der Wissenschaftsagentur des Pentagons (DARPA) finanziert.
Das naheliegendste Einsatzgebiet des Sprays dürfte jedoch tatsächlich die Bekämpfung der Narkolepsie sein. Dass jeder Zugang dazu bekomme, ist für Siegel auch nicht wünschenswert - und wer dauerhaft Schlaf vermeiden wolle, sei ohnehin ein "Dummkopf".
Jeder ist sein eigener Kurpfuscher
Noch immer wisse man viel zu wenig über die Funktionen des Schlafs für den Körper, räumt Siegel außerdem ein. Auch könne man nicht vorhersagen, wie das Gehirn auf den medikamentös hervorgerufenen künstlichen Wachzustand reagieren werde.
Die grundsätzliche Kritik, dass man in das Gefüge von Schlaf und Wachsein nicht eingreifen dürfe, lässt Siegel jedoch nicht gelten: "Wir müssen uns im klaren sein, dass wir schon in einer Gesellschaft leben, in der jeder mit Koffein an sich herumdoktert."
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