5. November als Stichtag

Erdogan trifft Bush in einer Woche - und darf nicht mit leeren Händen nach Hause kommen.
Die Vorzeichen für eine türkische Offensive gegen die kurdische PKK im Irak häufen sich. Und laut angeblichen Aussagen des türkischen Präsidenten Abdullah Gül gegenüber seinem iranischen Amtskollegen Mahmud Ahmadinedschad ist der Militärschlag schon beschlossene Sache.

Türkischen Quellen zufolge sagte Gül in einem Telefonat mit Ahmadinedschad, die diplomatischen Möglichkeiten in dem Konflikt seien erschöpft und die Türkei entschlossen, die PKK im Nordirak auszumerzen. Der Iran war zuvor für eine friedliche Lösung eingetreten.

"Brauchen von niemandem Erlaubnis"
Auch Premier Recep Tayyip Erdogan verstärkte seine Drohgebärden in Richtung Irak. Für einen Einmarsch "brauchen wir niemanden um Erlaubnis zu bitten", sagte er vor dem türkischen Nationalfeiertag am Montag vor einer begeisterten Menge in der Stadt Izmit.

Auch der türkische Armeechef Yasar Büyükanit drohte den PKK-Kämpfern in einer Botschaft zum Jahrestag der türkischen Staatsgründung mit harter Vergeltung. "Die, die uns leiden lassen, werden in einem Ausmaß leiden, das sie sich nicht einmal vorstellen können", hieß es darin.

100.000 Soldaten warten auf Befehl
Außenminister Ali Babacan sagte am Sonntag, alle Optionen seien offen: Diplomatie und Militäreinsatz. Die Regierung in Ankara hatte Vorschläge des Irak zum Vorgehen gegen die Rebellen jüngst als unzureichend zurückgewiesen.

Die Türkei hat bis zu 100.000 Soldaten an der Grenze zum Irak zusammengezogen und dort Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Panzer in Stellung gebracht. Bereits mehrere Male erfolgten Luftschläge gegen PKK-Stützpunkte auf irakischem Territorium.

USA drängen zu diplomatischer Lösung
Am Sonntag töteten türkische Soldaten 20 PKK-Kämpfer im Osten der Türkei, wie aus Militärkreisen verlautete. In türkischen Militärkreisen war von einem Einsatz mit 8.000 Soldaten gegen PKK-Kämpfer im eigenen Land die Rede.

Die US-Regierung drängte die Türkei zu einem weiteren Dialog mit dem Irak über ein Vorgehen gegen die geschätzt 3.000 PKK-Kämpfer im Nordirak. Die demonstrative Nichteinmischung des US-Militärs im Nordirak hat die amerikanisch-türkischen Beziehungen indes zuletzt weiter abgekühlt.

Erdogan in einer Woche bei Bush
"Wir wollen in unserem Kampf gegen den Terror unsere westlichen Freunde an unserer Seite stehen sehen", sagte Erdogan am Wochenende in Richtung Europas und wohl auch der USA. "Diejenigen, die über den Terrorismus hinwegsehen, arbeiten mit ihm zusammen."

Als Schlüsseldatum in dem Konflikt gilt der 5. November. An diesem Tag wird Erdogan zu Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush in Washington erwartet. Am Wochenende hieß es, vom Verlauf der Gespräche werde es abhängen, ob die Türkei im Nordirak einmarschiert.

Erdogan unter Druck
Zwar markiert die Türkei wohl auch aus politischem Kalkül Härte, um bei Bush eine starke Verhandlungsposition zu erreichen. Doch Erdogan steht nach dem Tod Dutzender türkischer Soldaten unter hohem innenpolitischem Druck, im Kampf gegen die PKK Resultate vorzuweisen.

Wenn Bush in der verbleibenden Woche bis zum Treffen nichts einfällt, das Erdogan daheim als handfesten Fortschritt im Feldzug gegen die PKK verkaufen kann, wird der türkische Premier wohl die martialischen Versprechungen, die er nun daheim abgibt, einlösen müssen.

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