Die Dienstleister des Krieges

Experten sehen die US-Sicherheitsfirmen bereits als "dritte Kraft" im Irak.
Das große Geschäft mit der Sicherheit vollzieht sich im Verborgenen. Im Gefolge der US-Soldaten ist eine Schattenarmee in den Irak eingerückt, die keinem Militärkommando und keinem Rechtssystem untersteht.

Zehntausende sind dort im Auftrag Washingtons im Einsatz, sie sind die Dienstleister des Krieges: Bodyguards und Wachleute, Mechaniker und Installateure. Mit viel Geld erkauft sich die US-Regierung die Dienste solcher Spezialfirmen, um die eigenen Soldaten zu entlasten.

USA brauchen Blackwater
Die Blackwater-Affäre zeigt, in welches Dilemma die USA dadurch geraten: Die tödlichen Schüsse der Blackwater-Männer auf Iraker haben eine Krise mit Bagdad geschürt. Für die USA ist Blackwater allerdings unverzichtbar.

Die Privatisierung des Krieges ist weit vorangeschritten. Nicht die Armee, sondern den US-Sicherheitsdienstleister Blackwater hat das Washingtoner Außenministerium mit dem Schutz seiner Diplomaten im Irak beauftragt. Blackwater stellt auch die persönliche Leibgarde von US-Botschafter Ryan Crocker.

Guter Verdienst für "harte Burschen"
Etwa tausend Wachleute soll Blackwater im Irak haben - harte Kerle, die hervorragend verdienen. Die Firma bietet Tagessätze von 450 bis 650 Dollar. 678 Millionen Dollar (485 Mio. Euro) sind laut Informationen der "Washington Post" seit 2003 vom US-Außenministerium an Blackwater geflossen - und Blackwater ist nur einer von Dutzenden privaten US-Dienstleistern im Irak.

"Dritte Kraft"
Die USA haben sich in eine gefährliche Abhängigkeit begeben: "Die privaten Dienstleister sind de facto zu einer dritten Kraft geworden, unverzichtbar für die moderne Kriegsführung", urteilte das Washingtoner Lexington-Institut kürzlich in einem Gutachten.

Immunität wie Diplomaten
Die Dienstleister sind praktisch aber auch unkontrollierbar, weil sie in einem rechtsfreien Raum agieren. Die US-Übergangsverwaltung gewährte ihnen nach der Besetzung des Irak 2003 im "Dekret 17" Immunität, wie sie weltweit auch Diplomaten genießen.

US-Außenamtssprecher Sean McCormack konnte auf Anfrage nicht beantworten, unter welches Rechtssystem nun eigentlich die Blackwater-Männer fallen, die in Bagdad bei einer Schießerei elf Iraker töteten und damit die Krise zwischen Washington und Bagdad heraufbeschworen.

Iraks Regierung fordert, für sie müsse irakisches Recht gelten. Washington lehnt das ab - kein gutes Zeugnis für die USA, die mit ihrer Invasion doch auch Rechtsstaatlichkeit in den Irak bringen wollten.

"Marktdenken auf dem Schlachtfeld"
Militärexperte Peter Singer vom Washingtoner Brookings-Institut weist auf ungelöste Fragen bei der Privatisierung des Krieges hin: "Der Einzug von Marktdenken auf dem Schlachtfeld eröffnet viele Möglichkeiten, stellt aber auch beunruhigende Fragen - zum demokratischen Verständnis, zur Moral, zu den Menschenrechten, zur nationalen und internationalen Sicherheit."

"Sie sind Killer"
John Pike vom US-Informationsdienstleister GlobalSecurity.org weist darauf hin, dass die ungeklärte Rechtslage den privaten Kämpfern Spielraum beim harten Vorgehen gegen Gegner gibt, den die Armee so nicht hat: "Sie sind Killer. Das kann man über normale Soldaten nicht sagen." Das mache den Wert der Sicherheitsfirmen aus, deshalb würden sie so gut bezahlt.

Allein das Verteidigungsministerium bezahlt nach eigenen Angaben 137.000 private Vertragspartner, 7.300 von ihnen im Sicherheitsbereich.

Das Außenministerium gibt keine Angaben heraus, doch dürfte es weitaus mehr private Sicherheitskräfte beschäftigen. Singer schätzt ihre Gesamtzahl im Irak auf 20.000 bis 47.000.

Peter Wütherich, AFP

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