The Police lieferten ein Potpourri ihrer Hits ab, die sie bekanntermaßen zuhauf aus dem Ärmel schütteln können. Jeder, der sich auch nur im Geringsten für Rockmusik begeistern kann, wollte Songs wie "Roxanne" und "Can't Stand Losing You" schon immer einmal live hören, schreien diese doch regelrecht danach, vor Publikum jenes helle Feuer zu entfachen, das ihnen gebührt.
Wo war das Feuer?
Diesen zu einem Feuerwerk werdenden Funken musste man von The Police in der Stadthalle leider vermissen.
Ganz sicher lag das nicht am Publikum, das sich durchaus mitreißen ließ. Auch lag es nicht daran, dass die Band schlecht spielte. Sänger Sting war gut gelaunt, war ebenso gut bei Stimme und verzichtete zum Glück auf jene Arroganz, für die er auf diversen Konzerten während seiner Solokarriere in den letzten 20 Jahren nicht unbedingt Sympathiepunkte sammelte.
Posenfreies Gitarrespiel
Auch Copeland trommelte alles in Grund und Boden, und Gitarrist Summers brillierte mit zurückhaltendem Gitarrenspiel und Soli der unkonventionelleren Art, ohne dabei peinliche Posen zur Schau zu stellen.
Die Quintessenz fehlte
Allerdings fehlte bei diesem Konzert genau das, was ein solches eben ausmacht, nämlich das völlige Vergessen seiner Umgebung und am besten auch gleich seiner selbst.
Da sollte es nur noch die Musik geben, die man spüren, erleben und aus jeder einzelnen Pore schwitzen will. Bei Police sollte eigentlich kein Platz für Nostalgie a la "Ja, das war schon lustig damals beim Flaschendrehen" oder Kreuzschmerzen vom Stillstehen sein.
Schon gar nicht sollte das T-Shirt trocken bleiben oder auch nur ansatzweise etwas Ähnliches wie Erstaunen darüber aufkommen, dass man eine großartige Nummer wie "Don't Stand So Close To Me" so dermaßen fad herunternudeln kann.
Ein nettes Rockkonzert - nicht mehr
Dass The Police durchaus noch so richtig mitreißen könnten, bewiesen sie an diesem Abend zwar auch, aber viel zu selten.
Bei "Invisible Sun" kam schon der eine oder andere Gänsehautschauer auf, und "Roxanne" und "So Lonely" sind live vermutlich gar nicht zu verhauen.
Trotzdem war dieser Auftritt nicht jenes Highlight, das man sich von dieser Reunion erwartet hatte. Es war "okay" und es war nett. "Okay" ist bei The Police allerdings eindeutig zu wenig - und "nett" ist wohl auch nicht eines jener Attribute, die einem zu Rockkonzerten einfallen sollten.
Christian Holzmann, ORF.at
Links:
- The Police
- Biografie (Wikipedia)