Bereits einmal eingesetzt

"Auf dem Behälter steht, dass das Mittel nicht eingeatmet werden soll."
Mit einem übelriechenden und möglicherweise gesundheitsschädlichen Gas wollte Georges Mothron, der Bürgermeister von Argenteuil, Obdachlose aus dem Stadtzentrum verjagen - und hat damit in der Stadt nordwestlich von Paris einen Skandal ausgelöst.

Mothron, Politiker der konservativen UMP von Präsident Nicolas Sarkozy, hatte die Rechnung nämlich ohne seine Beamten gemacht. Sie weigerten sich, das Gas mit dem Namen "Malodore" ("Schlechter Geruch") einzusetzen, und machten den Fall publik.

"Machen nicht Jagd auf Wohnungslose"
"Wir wollen gern Jagd auf Ratten machen, aber nicht auf Wohnungslose", wurde ein Beamter der Stadtverwaltung am Samstag in der Zeitung "Le Figaro" zitiert. "Auf dem Behälter steht, dass das Mittel irritierend ist und nicht eingeatmet werden soll."

Einmal kam das Gas laut den Berichten bereits zum Einsatz. Es soll bei den Notausgängen eines Einkaufszentrums versprüht worden sein, wo Obdachlose sich oft aufhalten. Sie sollen danach über "gereizte Kehlen" und "Schmerz in den Augen" geklagt haben.

Hersteller wiegelt ab
Ein Sprecher der Herstellerfirma des Gases nannte das Mittel ungefährlich: "Der üble Geruch hält sich allerdings mehrere Wochen." Normalerweise werde das Mittel an Brücken oder gefährlichen Stellen versprüht, um Menschen von diesen Punkten fernzuhalten.

Verurteilung durch Sarkozy gefordert
Die politischen Gegner zeigten sich empört. Mothrons Anweisung sei eine "skandalöse Hetzjagd auf die Armen", die "dem Grundprinzip der menschlichen Würde widerspricht", sagte der sozialistische Beauftragte für Chancengleichheit, Faouzi Lamdaoui.

Lamdaoui forderte Sarkozy auf, Mothrons Anweisung öffentlich zu verurteilen. Für den Gewerkschaftsführer Bernard Thibault lieferte Mothron ein "verachtenswertes" Musterbeispiel für das Verhalten in einer Gesellschaft, die Randgruppen immer mehr ausgrenzt.

"Nötige traurige Lösung"
Mothron selbst nahm vorerst zu dem Fall nicht Stellung. Sein Vertreter Philippe Metezeau sprach jedoch von einer nötigen und hoffentlich wirksamen "traurigen Lösung", da Obdachlose ein Sicherheitsproblem bedeuten und die Stadtbewohner beeinträchtigen würden.

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