Wegen Wiederbetätigung verurteilt

1992 wegen Widerbetätigung in allen Punkten schuldig gesprochen.
Die jahrelange Flucht des in Österreich nach dem Verbotsgesetz zu eineinhalb Jahren Haft verurteilten Neonazis Gerd Honsik (65) ist zu Ende. Überraschend wurde er am Donnerstag mit Hilfe des Europäischen Haftbefehls im spanischen Malaga festgenommen.

Trotz Exils war der am 10. Oktober 1941 in Wien geborene Honsik hierzulande präsent. Er verbreitete einschlägige Balladen und Gedichte. Auf seiner Homepage finden sich Texte mit Titeln wie "Endkampf um Mittelerde" und "Ballade von Mutter Engelke und dem kleinen, frechen Juden Karli Reis".

Für "deutsche Sache" tätig
Im Mai 1992 wurde Honsik, per Eigendefinition seit seinem 17. Lebensjahr für "die deutsche Sache" tätig, von einem Wiener Geschworenengericht wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu eineinhalb Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Geschworenen hatten Honsik in sämtlichen Anklagepunkten einstimmig für schuldig befunden. Der verurteilte Neonazi setzte sich allerdings während des Rechtsmittelverfahrens nach Spanien ab, wo er nun gefasst wurde.

Im Prozess hatte er unter anderem erklärt, "Mitleid mit Hitler" zu haben. Die Geschworenen bat er in seinem Schlusssatz: "Landsleute, bitte helft's mir."

Wiederholt Holocaust geleugnet
Vor dem Prozess 1992 war Honsik laut DÖW unter anderem für die nicht anerkannte Partei "Volksbewegung", für die von Norbert Burger gegründete und verbotene rechtsextreme Nationaldemokratischen Partei (NDP) sowie für die "Nationale Front" tätigt. Er wurde außerdem wegen diverser einschlägiger Delikte schon mehrmals verurteilt.

Honsik hatte in seiner rechtsextremen Zeitschrift "Halt", die 1980 zum ersten Mal erschien, und anderen Schriftwerken wiederholt den Holocaust geleugnet, von der "Absurdität der Gaskammerlüge" und Ähnlichem gesprochen. Gegenstand der Anklage 1992 war auch das 1988 erschienene und beschlagnahmte Buch "Freispruch für Hitler?". Seine schreiberische Tätigkeit setzte er auch im Exil fort.

In jüngster Zeit waren die Texte auf seiner Homepage merkbar von einer wachsenden Unruhe geprägt. Zuletzt hatte er auf eine parlamentarische Anfrage der SPÖ-Abgeordneten Bettina Stadlbauer reagiert, in der diese die Auslieferung Honsiks durch die spanischen Behörden gefordert hatte.

Auslieferung zweimal abgelehnt
Spanien hatte in der Vergangenheit zweimal Honsiks Auslieferung abgelehnt. Einen Asylantrag lehnten die spanischen Behörden aber ebenfalls ab. Die Festnahme am Donnerstag wurde mit Hilfe des Europäischen Haftbefehls möglich.

Wegen seiner Tätigkeit in Spanien bzw. dem, was davon nach Österreich gelangte, hat die Staatsanwaltschaft einen zweiten Haftbefehl gegen Honsik beantragt.

Wahlempfehlung für FPÖ
Ins Gespräch war er zuletzt im Zuge der Fotoaffäre um FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gekommen. Strache hat erst am Donnerstag am Rande einer Gerichtsverhandlung betont, niemals Mitglied einer "Honsik-Gruppe" gewesen zu sein.

Honsik selbst rückte sich aber in die Nähe der FPÖ, für die er 2006 eine Wahlempfehlung abgab, weil sie die einzige Partei sei, "in der sich führende Persönlichkeiten noch zum Deutschen Volk bekennen".