Abgemagert und blass tauchte Kampusch im Garten einer Nachbarin in Strasshof bei Wien auf. "Ich bin entführt worden", ruft sie - am ganzen Körper zitternd - der älteren Frau zu, dann bricht sie zusammen.
Wenige Stunden später wirft sich ihr Entführer vor einen Vorortzug.
Einer der spektakulärsten Fälle der österreichischen Kriminalgeschichte fand mit der Rettung des Opfers ein unerwartet glückliches Ende. Die Akte um das Kidnapping der kleinen Natascha, die im März 1998 auf dem Weg zur Schule von Priklopil in einen weißen Lieferwagen gezerrt und jahrelang wie eine Sklavin gehalten worden war, wurde wenige Wochen später geschlossen.
Als das Medienspektakel begann
Doch das Medienspektakel um Kampusch hatte damit erst begonnen. Um sie vor dem Ansturm der Presse zu bewahren, wurde sie von einem Team von Psychologen und Sozialarbeitern an einem "geheimen" Ort rund um die Uhr umsorgt.
Medienberater sorgten dafür, dass Kampusch, die unter multiplen psychischen Problemen litt, nur zu sorgfältig ausgewählten Medien sprach.
Anwälte drohten jedem, der unautorisiert über das Martyrium des Mädchens berichtet, mit einem Prozess. In den folgenden Wochen und Monaten gab Kampusch, die sich trotz ihrer Gefangenschaft ungewöhnlich gut ausdrücken kann, TV-Interviews, Bilderserien erschienen in österreichischen Illustrierten und Boulevardzeitungen. Mit dem Honorar will sie anderen Entführungsopfern helfen.
Trotz des wachsenden Drucks der internationalen Regenbogenpresse gelingt es den Beratern, die junge Frau aus dem Blitzlichtfeuer weitgehend herauszuhalten.
Pläne für ein neues Leben
Kampusch selbst erzählte im Vorjahr dem ORF, wie sie ihr Leben in der nahen Zukunft führen wolle: Zunächst einmal werde sie einen Schulabschluss machen. Schließlich hatte ihr Kidnapper sie von jeder Schulausbildung ferngehalten.
Vielleicht werde sie einmal selbst Journalistin. Zunächst aber wolle sie all jene Dinge nachholen, die ihr in den Jahren der Gefangenschaft entgangen waren: eins sein mit ihrer schon vor der Entführung zerrissenen Familie, Kontakte zu Freunden und eben einen Schulabschluss nachholen.
Immer wieder von Medien "gejagt"
Zum Jahresanfang 2007 gab sie bekannt, dass sie "bis auf weiteres" keine Interviews mehr geben wolle. Der Rückzug ins private Leben gelang begrenzt. Kampusch, so berichten Medien, lebe inzwischen "betreut" in einer hellen und geräumigen Wohnung. Immer wieder versuchen Fotografen ein Bild von ihr zu erhaschen: beim Tanzen in einer Diskothek und jüngst bei der Präsentation eines Buches ihrer Mutter.
Kampusch stand in der letzten Reihe, getarnt mit großer Sonnenbrille und Fächer - bis ein Fotograf sie erkannte. Sekunden später ging ein wahres Blitzlichtgewitter über ihr nieder. Erst als Mitarbeiter des Verlages sie in einen Nebenraum brachten, hatte sie Ruhe.