Seitens des Pflegeheims wurde die Nachricht vom Ableben Antels bestätigt und erklärt: "Frau Antel wünscht, dass wir lediglich mitteilen sollen, der Regisseur sei sanft entschlafen." Der Regisseur war der Inbegriff des österreichischen Nachkriegskinos.
Künstler mit "schlechtem Ruf"
Antel zeichnete für rund 100 Film- und Fernsehproduktionen verantwortlich. Berühmt wurde der Sohn eines Postbeamten und einer Hausfrau, der das Filmgeschäft von der Pike auf lernte, mit Titeln wie "Der alte Sünder" und "Hallo Dienstmann".
Antel sah sich selbst nie als Künstler. In seinem Werk finden sich denn auch Streifen wie die berüchtigten "Wirtinnen"-Sexfilmchen der 60er und 70er Jahre. In seinen 2001 erschienen Memoiren kommentierte er das launig mit den Worten: "Auch ein schlechter Ruf verpflichtet."
Professionell durch und durch
Anspruchsvolle Filme wie "Oberst Redl" mit dem jungen Oskar Werner und "Der Bockerer" mit Karl Merkatz "passierten" Antel. Gerade sie bewiesen jedoch seine Professionalität: Dabei nutzte er gekonnt genau jene künstlerischen Mittel, die bei Unterhaltungsware nur "Luxus" gewesen wären.
Er habe immer nur "gut unterhalten wollen", erklärte Antel stets. Dass er mehr als das wollte, bewiesen immer wieder allerdings auch ambitioniertere Projekte - die jedoch angesichts Antels Schubladisierung als "Kommerzregisseur" auf wenig Gegenliebe stießen.
Seit über einem Jahr in Pflegeheim
Außerdem war der Regisseur über Jahrzehnte einer der wenigen Fixsterne am österreichischen Society-Himmel. Erst vor wenig mehr als einem Jahr zwangen ihn die Folgen einer Sturzverletzung zum Rückzug. Seither lebte er in dem Wiener Pflegeheim.
Während dieser Zeit wollten Gerüchte nicht verstummen, Antel verbringe seine Tage in dem Heim vernachlässigt von Angehörigen und vormals engsten Freunden. Seinen 94. Geburtstag feierte Antel am 28. Juni ohne rauschende Feiern, wie sie sein Leben immer geprägt hatten.
TV-Hinweis:
Der ORF ändert in memoriam Franz Antel sein Programm und zeigt zwischen 14. und 19. August auf ORF2 insgesamt neun Filme des Regisseurs und am 15. August ein Porträt des verstorbenen Altmeisters.
Zu sehen sind alle vier "Bockerer"-Episoden - "Der Bockerer" am 14.8. um 22.30 Uhr, "Der Bockerer 2 - Österreich ist frei" am 15.8. um 23.30 Uhr, "Der Bockerer 3 - Die Brücke von Andau" am 17.8. um 22.45 Uhr und "Der Bockerer 4 - Prager Frühling" am 19.8. um 21.55 Uhr - mehr dazu in tv.ORF.at.
Außerdem wird der legendäre Streifen "Hallo Dienstmann!" (15.8., 13.50 Uhr) gezeigt sowie "Johann Strauß - Der König ohne Krone" (15.8., 11 Uhr), "Ooh... diese Ferien" (18.8., 13.10 Uhr), "Liebesgrüße aus Tirol" (18.8., 14.35 Uhr) und "Kaiserball" (19.8., 14.25 Uhr).
Link:
- Franz Antel (Wikipedia)
- Antels Filmografie (IMDb)