Kluft vertieft sich weiter

Kein Ende der Gewalt ist in Sicht.
Die rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und Fatah driften auch politisch immer weiter auseinander.

Während der Führer der radikal-islamischen Hamas Ismail Hanija am Samstag auf seinem Amt als Ministerpräsident bestand und in Gaza einen neuen Sicherheitschef ernannte, beriet Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah über die Zusammensetzung der neuen Notstandsregierung.

Fatah übt Rache
Kämpfer seiner als gemäßigt geltenden Fatah stürmten im Westjordanland Hamas-Einrichtungen. In Ramallah im Westjordanland drangen bewaffnete Fatah-Anhänger in das Parlamentsgebäude vor, wo sie von Wachleuten gestoppt wurden. Augenzeugen berichteten, damit sei offensichtlich die Verschleppung eines Politikers verhindert worden.

Ministerien gestürmt
In Nablus stürmten Fatah-Kämpfer die Stadtverwaltung. Sieben Hamas-Aktivisten wurden entführt.

Auch in Hebron kam es zu Angriffen: Fatah-Aktivisten übernahmen nach eigenen Angaben die Kontrolle in Büros des Innen- und des Bildungsministeriums. Sie warnten Angestellte, die loyal zur Hamas stehen, vor einer Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Straffreiheit angeboten
Die Al-Alksa-Brigaden der Fatah boten Hamas-Mitgliedern im Westjordanland Straffreiheit an. "Wir erklären eine Amnestie für alle Hamas-Aktivisten im Westjordanland", teilte ein Anführer der Fatah-Miliz, Abu Odai, mit.

Die Entscheidung sei auf Anweisung der politischen Führung gefallen. Zuvor hatte die Hamas bereits eine Amnestie für Fatah-Führer und Polizisten im Gazastreifen erklärt.

Anweisung an Polizisten
Unterdessen wies ein Polizeikommandeur vom Westjordanland aus die Polizisten im Gazastreifen an, in den Wohnungen zu bleiben und Anweisungen der radikal-islamischen Hamas nicht zu folgen.

"Es ist verboten, mit dem Innenministerium der früheren Regierung von Ismail Hanija (Hamas) zusammenzuarbeiten, Befehlen zu folgen oder sich an dieses zu wenden", ordnete Polizeigeneral Kemal al-Scheich schriftlich an.

Gazastreifen: Leichte Beruhigung
Im Vergleich zu den Vortagen beruhigte sich die Lage im Gazastreifen etwas. Milizen der Hamas gingen gegen Plünderer vor, berichteten Augenzeugen.

Nach der Niederlage der Fatah hatten Hamas-Anhänger und Zivilisten zahlreiche Polizeistationen, Büros und Privathäuser geplündert. Am Samstag wurden weitere Gebäude geplündert, der palästinensische Teil des Grenzübergangs Eres wurde verwüstet.

Hanija ernennt neuen Sicherheitschef
Hanija ernannte am Samstag General Said Fanuna zum neuen Sicherheitschef für den Gazastreifen, wie aus dem Büro Hanijas verlautete.

Fanuna gehört formal der Fatah von Abbas an, ist zu diesem aber auf Distanz gegangen. Vor der jüngsten Eskalation hatte Abbas ihn als Kandidaten für das Amt des Sicherheitschefs abgelehnt.

Nahost-Quartett stellt sich hinter Abbas
Das so genannte Nahost-Quartett stellte sich in dem Konflikt offiziell hinter Abbas und die von ihm eingesetzte Notstandsregierung.

"Angesichts der Besorgnis erregenden Umstände versteht und unterstützt das Quartett die Entscheidung von Präsident Abbas, das Kabinett aufzulösen und den Notstand auszurufen", hieß es in einem am Samstagabend in New York veröffentlichten Text des Quartetts aus Vereinten Nationen, EU, USA und Russland.

Ende der Gewalt gefordert
Sorgen bereiteten jedoch das Wohlergehen und die Sicherheit der betroffenen Menschen, ganz besonders derer im Gazastreifen. Das Quartett verlangt deshalb das sofortige Ende aller Gewalt und verspricht, sich nach Kräften für die humanitäre Versorgung der Palästinenser einzusetzen.

Scharfe Kritik der arabischen Liga
Die Arabische Liga übte nach den blutigen Kämpfen zwischen Hamas und Fatah scharfe Kritik an den rivalisierenden Palästinensergruppen. Bei einer Sondersitzung am Freitag in Kairo warnte der saudi- arabische Außenminister, Prinz Saud al-Faisal: Wenn es nicht bald eine politische Einigung zwischen erzielt werde, "dann wird die Palästinenser-Frage begraben sein".

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