Trost für Shicoff

Dominique Meyer ist laut Bundeskanzler eine "interessante Wahl" für die Staatsoper.
Der französische Opernmanager Dominique Meyer leitet ab 2010 die Wiener Staatsoper, der österreichische Stardirigent Franz Welser-Möst wird Generalmusikdirektor: Mit dieser durchaus überraschenden Entscheidung hat am Mittwoch die aktuelle Causa prima der österreichischen Kulturlandschaft ein Ende gefunden.

Während das neue Führungsduo bei zahlreichen Politikern und ihren künftigen Kollegen durchwegs auf Zustimmung stieß, reagierte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) relativ knapp und erst einige Zeit nach der Bekanntgabe der neuen Direktion auf die Entscheidung - kein Wunder: Er hatte sich bis zuletzt für den befreundeten Startenor Neil Shicoff ausgesprochen.

Knappe Reaktion
In einer Aussendung bezeichnete Gusenbauer Meyer als "eine interessante Wahl". Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) habe damit eine Entscheidung getroffen, "die eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft der Staatsoper darstellt".

In der gleichen Aussendung spendete Gusenbauer Shicoff Trost: Alle in den letzten Wochen genannten Kandidaten seien für die Leitung "einer der wichtigsten Kulturinstitutionen des Landes höchst qualifiziert gewesen", hieß es. Das gelte natürlich auch für Shicoff, "der mit Sicherheit ein hervorragender Operndirektor gewesen wäre".

Schmied: "Kein Zerwürfnis"
Meyer sei "interessanterweise" durch die gesetzlich vorgeschriebene Ausschreibung gefunden worden, sagte Kulturministerin Schmied. Im "ausführlichen Gespräch" mit dem Bundeskanzler habe es "durchaus unterschiedliche Vorstellungen" gegeben, so Schmied. Von einem "Zerwürfnis ist jedoch keine Rede".

Schmied habe Gusenbauer "meine Entscheidung dargelegt". Die Besetzung der Staatsopern-Direktion ab 2010 sei "meine Entscheidung in der Ministerverantwortung", betonte Schmied.

Zustimmung im Aufsichtsrat
Bei der Sitzung des Staatsopern-Aufsichtsrates am Mittwoch seien Meyer und Welser-Möst nach Angaben Schmieds auf "sehr positive, nahezu euphorische" und "einhellige Zustimmung" der Aufsichtsräte gestoßen - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Wichtig für die Übergabe des Hauses sei, dass auch Direktor Ioan Holender selbst die Entscheidung begrüße. Bereits kommende Woche sei ein Treffen zwischen Holender, Meyer und Welser-Möst in Wien anberaumt. Meyer und Welser-Möst seien "aus meiner Sicht die Idealbesetzung", so Schmied.

"Meyer wird Innovationen bringen"
Schmied betonte das "überzeugende und zukunftsorientierte Konzept" Meyers: "Die Staatsoper wird durch Dominique Meyer Innovationen erleben."

"Ich habe schon längst daran gedacht, ohne wirklich daran zu glauben. Die Stelle ist ja so wichtig, und ich bin ja kein Österreicher", sagte Meyer der APA unmittelbar nach seiner Bestellung. Er deutete außerdem an, dass die Staatsoper einen Nachholbedarf sowohl in Sachen Barockoper als auch beim zeitgenössischen Repertoire habe.

Welser-Möst will sich um Sänger kümmern
Welser-Möst betonte in einer ersten Reaktion: "Dominique Meyer ist der Intendant." Er sehe in der Zusammenarbeit mit dem Franzosen eine "künstlerische Partnerschaft" und will sich vor allem um die Sänger kümmern. Seine Position als Generalmusikdirektor am Zürcher Opernhaus wird er aufgeben, er möchte aber Chefdirigent des Cleveland Orchestra bleiben.

Holender: "Garant für hohe Qualität"
Für den scheidenden Direktor Holender sind Meyer und Welser-Möst "zwei überaus kompetente, sachkundige, erfahrene, den Markt mit all seinen Tücken kennende, hoch qualifizierte Persönlichkeiten. Diese Entscheidung ist ein Garant für die hohe Qualität des Dargebotenen und für die Zukunft des Hauses."

Parteien reagieren positiv
Durchwegs positive Reaktionen rief die Entscheidung bei den politischen Parteien hervor. SPÖ, ÖVP, BZÖ und Grüne sowie Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zeigten sich von der Kompetenz der neuen Direktoren überzeugt.

Die Kultursprecher Wolfgang Zinggl (Grüne) und Veit Schalle (BZÖ) begrüßten in ersten Reaktionen vor allem die Absage an Shicoff.

TV-Hinweis
Der ORF ändert mit "FeierAbend" zu Fronleichnam und der "Matinee" am 10. Juni sein Programm. Die Sendung "Franz Welser-Möst - Ein Ohr für Gott" von Thomas Bogensberger zeigt am Donnerstag um 19.52 Uhr in ORF2 vielleicht weniger bekannte Facetten des künftigen Generalmusikdirektors. Und im Rahmen der "Matinee" steht am Sonntag um 9.30 Uhr in ORF2 "Franz Welser-Möst - Porträt eines Dirigenten" auf dem Programm.

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