Kaum Folgen für Wirtschaft

Angesichts des riesigen Wachstums würde ein Kurssturz die boomende Wirtschaft kaum bremsen.
Ein Börsencrash in China würde die boomende Wirtschaft des Landes nach Ansicht von Volkswirten kaum bremsen. Trotz der derzeitigen Börseneuphorie machen Aktien nur einen sehr geringen Teil des Vermögens der allermeisten Chinesen aus.

Zudem haben die Privatanleger den rasant wachsenden Wert ihrer Depots bisher kaum dazu genutzt, den Konsum kräftig zu steigern, erläutert Volkswirt Carl Weinberg von High Frequency Economics: "Chinas Wirtschaftswunder ging dem Börsenboom voraus und wird ihn auch überleben."

Immer mehr Depots
Das wichtigste Börsenbarometer Chinas - der Schanghaier Leitindex - erreichte erst vor kurzem ein Rekordhoch. In den letzten anderthalb Jahren konnten Investoren ihren Einsatz im Schnitt vervierfachen. Mittlerweile gibt es in China 100 Millionen Aktiendepots.

Nach Berechnungen von Morgan Stanley sind nur etwa 20 Prozent des privaten Finanzvermögens in Aktien angelegt - insgesamt etwa 680 Milliarden Dollar. Einer in den USA gebräuchlichen Faustformel zufolge würde auch ein 30-prozentiger Kursrutsch das BIP-Wachstum nur um 0,2 Prozentpunkte schmälern - und damit angesichts des zweistelligen Wachstums kaum ins Gewicht fallen.

Noch kein Konsumschub
Der Aktienboom hat bisher zudem noch keinen Konsumschub ausgelöst, erläutert Jonathan Anderson von UBS: "Es gibt keinen Konsumboom, den irgendjemand rückgängig machen könnte."

Warnung vor sozialen Unruhen
Auch der Bankensektor des Landes dürfte den Experten zufolge glimpflich davonkommen, falls eine Aktienblase platzt. Eigentlich dürfen die Banken des Landes ihren Privatkunden keine Kredite für Aktienkäufe geben. Obwohl das in der Praxis oft geschieht, dürften sich die Kreditausfälle im Rahmen halten.

Allerdings warnt der China-Experte Qing Wang von Morgan Stanley vor sozialen Unruhen, da enttäuschte Privatanleger die Regierung für ihre Verluste verantwortlich machen könnten.

Alan Wheatley, Reuters