Steuererhöhung als Bremse

Ökonomen befürchten Blase an Chinas Börsen.
Der wichtigste Aktienindex in China ist am Mittwoch kräftig unter Druck geraten, nachdem die Regierung eine Steuer auf Aktiengeschäfte verdreifacht hatte. Der Versuch, Spekulanten zu bremsen, sorgte auch an den anderen asiatischen Aktienmärkten für Verluste.

Aktienrausch in China
In China herrscht derzeit ein wahrer Aktienrausch. Viele Kleinanleger hoffen auf das schnelle Geld - und verlieren allzu oft ihre gesamten Ersparnisse. Die ungebremste Begeisterung für die Börse hat die Zahl der Aktiendepots in China erstmals über die 100-Millionen-Marke getrieben. Allein in der vergangenen Woche wurden täglich mehr als 350.000 Depots eröffnet.

Anleger auf dem chinesischen Aktienmarkt dürfen bis zu sechs Depots gleichzeitig führen. Schätzungen zufolge besitzen 50 Millionen Chinesen Aktien. Das entspricht weniger als vier Prozent der Gesamtbevölkerung. Beobachter sehen daher ein hohes Potenzial für weiteres Wachstum.

Vom Rekordhoch ins Tief
Der Hauptindex der Börse Schanghai, SSE Composite, fiel zeitweise bis auf 4.015 Punkte. Im Verlauf lag er noch mehr als fünf Prozent im Minus bei 4.109 Zählern. Am Dienstag hatte der Index auf einem Rekordhoch geschlossen - seit Jahresbeginn betrug der Kursanstieg 62 Prozent, im Jahr 2006 rund 130 Prozent.

Analysten sagten, die höhere Steuer - offenbar ein Versuch der Regierung, die Spekulationsblase nicht weiter anschwellen zu lassen - könne dem Markt kurzfristig schaden, auf lange Sicht aber nicht. Sie rechneten nicht mit einem Markteinbruch.

Steuer verdreifacht
Die Regierung hatte zuvor angekündigt, die Steuer auf Aktienhandelsgeschäfte von 0,1 auf 0,3 Prozent zu erhöhen. Der Schritt war vom Finanzministerium äußerst kurzfristig über die Nachrichtenagentur Xinhua mitgeteilt worden. Die Steuer wird von Käufern und Verkäufern von Aktien gleichermaßen verlangt.

Immer mehr warnende Stimmen
Seit Jahresanfang waren Bedenken führender Ökonomen laut geworden, die eine Blase an Chinas Börsen befürchten. Zuletzt hatten auch der Unternehmer Li Ka-shing, der als reichster Mann in Hongkong gilt, sowie Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan vor einem Platzen der Blase gewarnt.

Der Schanghaier Index war in diesem Jahr bereits um mehr als 60 Prozent gestiegen und hatte gerade erstmals die Marke von 4.300 Punkten überschritten. Die Anzahl der Aktienkonten in China hatte am Wochenanfang zum ersten Mal über 100 Millionen betragen.

Warnung vor sozialen Unruhen
Der China-Experte Qing Wang von Morgan Stanley warnt im Falle eines Börsencrashs vor sozialen Unruhen, da enttäuschte Privatanleger die Regierung für ihre Verluste verantwortlich machen könnten.

Folgen für andere Börsen
Der Einbruch in Schanghai wirkte sich auch auf andere asiatische Börsenplätze aus. Auch in Europa wurden sinkende Aktienkurse erwartet. Erst Ende Februar hatte ein Rückgang bei chinesischen Aktien weltweit zu einem Kurssturz geführt. Der Euro notierte kaum verändert bei rund 1,3444 Dollar.

Asiatische Börsen im Minus
In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index mit 0,5 Prozent im Minus bei 17.588 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gab 0,24 Prozent auf 1.733 Zähler nach. Wegen der Marktentwicklung in China hielten sich Anleger zurück.

Auf den Aktienmärkten in Südkorea, Hongkong Taiwan und Singapur kam es ebenfalls überwiegend zu Kursverlusten.

Europas Börsen zittern
Die europäischen Börsen reagierten am Mittwoch auf die Entwicklungen in China mit einer Talfahrt. In Frankfurt am Main sackte der Deutsche Aktienindex (DAX) zu Handelsbeginn um mehr als einen Prozent auf 7.695 Punkte ab. In Paris und London gaben die Kurse ebenfalls nach. Auch die Wiener Börse startete tiefer.

Links: