"Habe irrsinnige Selbstzweifel"

Danzers selbstkritische Rückschau.
Ein Band mit Gesprächsprotokollen, ein Studioalbum und eine Raritätensammlung: Das ist Georg Danzers Vermächtnis.

In dem Interviewband "Jetzt oder nie", der kurz nach seinem 60. Geburtstag bei Amalthea erschien, erklärte Danzer, er habe nie ein Aushängeschild des Austropop sein wollen: "Ich bin ja extra aus Österreich nach Deutschland gegangen, damit ich dem Austropop nicht zur Verfügung stehen muss."

"Irrsinnig verkopft"
Vom wohlwollenden Rückblick auf eine schöne Zeit sind die Gespräche weit entfernt: "Ich habe sogar irrsinnige Selbstzweifel", heißt es etwa. "Je stärker der Applaus, desto größer mein Verdacht, dass die Leute zu blöd sind, um zu erkennen, wie schlecht ich heute Abend war."

In dem Buch resümierte Danzer seine Kindheit, sein Verhältnis zum kommunistischen Vater und seinen Weg zum Erfolg. Schon als Kind habe er "gespürt, dass ich anders bin, und habe sehr darunter gelitten". Mit 18 Jahren fing er an, "Lieder zu schreiben, teilweise irrsinnig verkopfte Sachen - und das mache ich letzten Endes bis heute".

Toleranz und Sarkasmus
Im Mittelpunkt des letzten Studioalbums "Träumer", das im Herbst erschien, stehen einmal Toleranz einfordernde, einmal sarkastische Blicke auf diverse "Menschenkinder" - vom spätgeilen Opa ("Schwester Maria") über das Zusammenleben unterschiedlicher Menschengruppen ("Unsichtbar", "Wunderland", "Menschenkinder") bis zur Oma, die sich im Koma liegend darüber freut, dass die Erben das Sparbuch nicht finden ("De glaubn, I hör's ned").

Lieder über das Sterben
Einige der Songs - etwa "Mei Aschen" und "A letztes Lied" - beschäftigen sich mit Abschied und Sterben. Dabei verfasste Danzer die Texte, bevor er von seiner Krankheit erfuhr.

"Ich habe so viele Lieder übers Sterben geschrieben, etwa für Wolfgang Ambros 'Heite drah i mi ham'. Das geht mit einer gewissen inneren Bosheit einher, aber nicht unbedingt mit Ahnungen in Bezug auf den eigenen Gesundheitszustand", sagte er damals.

Die CD sei "sicherlich nicht das endgültige Alterswerk eines Mannes, der seit 30 Jahren Musik macht. Ich habe, während ich die CD gemacht habe, nicht gesagt, das wird mein letztes sein. Ich wollte zu meinem 60. Geburtstag einen Status quo anzeigen."

Raritäten aus den Anfangsjahren
Eine Rückschau ist hingegen das Album "Raritäten II", das unveröffentlichte oder noch nicht auf CD erhältliche Aufnahmen aus den Anfangsjahren von Danzers Karriere zusammenfasst.

Damals splitterten sich die Facetten des Songschreibers auf: Die vielfältige Musik ist zeitverhaftet, schräg und typisch Danzer, auch wenn er etwas ganz anderes machte als heute gewöhnt.

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