Städter auf Überholspur unterwegs

Stadtmenschen werden weltweit immer schneller.
Der Lebensrhythmus in den Städten beschleunigt sich immer mehr - zu diesem Ergebnis ist nun eine internationale Studie unter Mitwirkung des British Council gekommen. Im Schnitt sind Städter weltweit um zehn Prozent schneller unterwegs als noch vor einer Dekade.

Teststrecke in 35 Städten
Für die Studie wurden in 35 Städten Tausende Menschen geheim gestoppt, wie lange sie für eine Strecke von rund 18 Metern (60 Feet) auf dem Gehsteig einer belebten Geschäftsstraße im Stadtzentrum brauchen. In jeder Stadt wurden 70 Passanten - je zur Hälfte Frauen und Männer - auf der jeweiligen Teststrecke mit möglichst vergleichbaren Bedingungen gestoppt.

Singapur am schnellsten
Singapur ist demnach mit 10,55 Sekunden die schnellste Stadt, Wien (12,06 Sekunden) landete immerhin auf Platz zehn - nur zwei Ränge hinter New York, aber zwei Plätze vor London.

Singapur "beschleunigte" sich binnen zehn Jahre um 30 Prozent. In der chinesischen Stadt Guangzhou waren es 20 Prozent. Generell zeigte sich, dass die Städte im Nahen Osten jene mit dem langsamsten Tempo sind.

Kopenhagen überrascht
Überraschende Ergebnisse gab es für Europa: Nicht etwa die Metropole London, sondern Madrid und das als beschaulich geltende Kopenhagen sind die Städte mit dem schnellsten Rhythmus auf dem alten Kontinent. Selbst in Wien sind die Menschen schneller unterwegs als in der britischen Hauptstadt.

Weltweit am gemütlichsten geht es demnach in der malawischen Stadt Blantyre zu: Die dortigen Bewohner lassen sich gleich drei Mal so viel Zeit wie jene von Singapur.

Erhöhen neue Gadgets den Druck?
Studienleiter Richard Wiseman von der Universität von Hertfordshire führt die Beschleunigung unter anderem auf neue Kommunikationstechnologien zurück.

"Wir sind ständig miteinander in Kontakt und rufen Leute zurück - nicht innerhalb von Stunden, sondern von Minuten", so Wiseman. Deshalb seien viele Menschen der Überzeugung, alles müsse sofort geschehen. Mit einem Online-Fragebogen kann man prüfen, ob man selbst im urbanen Alltag auf der Überholspur unterwegs ist.

Höhere Herzinfarktgefahr
Glaubt man Wiseman, so erlaubt die Studie verlässliche Rückschlüsse auf den Lebensrhythmus in einer Stadt. Menschen in schnelllebigen Städten seien etwa weniger hilfsbereit und die Rate an Herzerkrankungen, etwa Infarkten, sei höher.

Wiseman warnt daher auch vor möglichen gesundheitlichen Folgen der ständigen Beschleunigung. Schnelles Gehen für sich genommen ist nicht ungesund, betont der Studienleiter, doch es gehe meist mit einem ungesunden Lebensstil einher.

Städter würden sich oft nicht die Zeit nehmen, ordentlich zu essen, sich fit zu halten oder Freunde zu treffen. Schnellgeher sind demnach auch anfälliger dafür, schnell zu sprechen und zu essen und ungeduldig zu werden.

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