Pazifismus und Pop-Art

Kurt Vonnegut wurde mit 14 Romanen weltbekannt.
Der US-amerikanische Kultautor Kurt Vonnegut ist tot. Vonnegut erlag am Mittwochabend (Ortszeit) im Alter von 84 Jahren in New York den Folgen einer Hirnverletzung.

Diese hatte er sich kürzlich bei einem Sturz zugezogen, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf einen Freund des Schriftstellers, Morgan Etrekin.

Bestseller "Schlachthof 5"
Vonnegut wurde 1922 als Sohn deutschstämmiger Eltern in Indianapolis geboren. Er schrieb zahlreiche Essays, Theaterstücke und Kurzgeschichten, schuf sich aber vor allem mit seinen 14 Romanen einen Namen.

Sein erster Roman, "Player Piano" ("Das höllische System"), erschien 1952. 1959 folgte der Science-Fiction-Roman "The Sirens of Titan" ("Die Sirenen des Titan"), weitere vier Jahre danach "Cat's Cradle" ("Katzenwiege"). Sein Bestseller "Slaughterhouse Five" ("Schlachthof 5") beschrieb die Luftangriffe der Alliierten auf Dresden im Jahr 1945, die er als US-Soldat selbst miterlebt hatte.

Bombennacht in Dresden
Vonnegut war gegen Ende des Zweiten Weltkrieges während der Ardennenoffensive in deutsche Gefangenschaft geraten und nach Dresden gebracht worden. Dort erlebte er in der Nacht auf den 13. Februar 1945 im Keller des Schlachthofs die Zerstörung der Stadt durch die alliierten Bombenangriffe.

Er war einer von nur sieben US-Kriegsgefangenen, die den Feuersturm überlebten. Die Ereignisse verarbeitete er in dem 1969 erschienenen Roman, der zugleich eine Satire auf die US-Gesellschaft ist und zwei Jahre später verfilmt wurde.

Kultbuch der Vietnam-Kriegsgegner
Das Buch war neben "Catch 22" von Joseph R. Heller eine wichtige Inspirationsquelle für die Gegner des Vietnam-Krieges. Das allein erklärt nicht die Massenwirkung, die Vonnegut vor allem unter Studenten und halbwüchsigen Schülern erreichte.

Was die Jugend neben seiner konsequent pazifistischen Haltung ansprach, war der außergewöhnliche, an Pop-Art erinnernde Stil.

Vonnegut hat immer wieder Zitate und halb ausgearbeitete Sätze, rein erzählerische Elemente, Dokumentenauszüge, Liedzeilen, harmlose wie geschmacklose Witze und viele Sexszenen gemischt - und dann mit seinem atemberaubenden Sarkasmus gewürzt.

Schockieren, um aufzurütteln
Dank des Dresden-Buches, sagte er einmal, gehöre er zu denen, die an der Bombardierung der Stadt gut verdient hätten. Wenn man von 135.000 Toten ausgehe, müssten es wohl "fünf bis zehn Dollar pro Kopf" gewesen sein.

Schockieren, um auf den alltäglichen Wahnsinn aufmerksam zu machen - diese Methode hat Vonnegut perfektioniert. Mit seinem eigentümlichen Stil wurde er zu einem Sonderfall der Literatur.

Akademische Kritiker lobten Vonneguts Experimente als bahnbrechend, dennoch erreichte er ein Massenpublikum, vor allem unter Jugendlichen. Wohl deshalb erschienen seine Werke - in Umkehrung gängiger Marktregeln - meist zunächst als Taschenbuch und erst danach als gebundene Ausgabe.

Ein neuer Stil
Graham Greene nannte Vonnegut "einen der fähigsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart". Einige Kritiker würdigten ihn für die Erfindung eines neuen Stils, "die Verschmelzung von Science-Fiction mit Humor, moralischer Bedeutung und ernsthafter Literatur".

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