Vom Sport in die Politik

Liese Prokop wurde über alle Parteiengrenzen hinweg geschätzt.
Mit Innenministerin Liese Prokop (ÖVP), die am Silvestertag beim Transport ins Krankenhaus von St. Pölten einem Aorta-Riss erlegen ist, verliert die österreichische Politik eine wichtige Vertreterin.

Prokop begann ihre politische Karriere am 20. November 1969 als Abgeordnete zum niederösterreichischen Landtag. Von 1981 bis 1992 war sie als Landesrätin tätig, ab Oktober 1992 als Landeshauptmann-Stellvertreterin. Die frühere Spitzensportlerin war damit eine der ersten Quereinsteigerinnen in der Politik.

Schlagzeilen im Sport
Zuvor hatte sie ihre sportliche Laufbahn mit dem Gewinn der Silbermedaille im Fünfkampf bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko gekrönt, 1969 stellte die Europameisterin noch den Weltrekord im Fünfkampf auf. In den heimischen Rekordlisten blieb der Name Liese Prokop noch lange nach ihrem Karriereende verewigt.

Die Rekordmarke im Kugelstoßen der 50-fachen österreichischen Meisterin, die ihrer damaligen Zeit und Konkurrenz voraus war, wurde erst im Jahr 1999 verbessert, ihr Bestwert im Weitsprung hielt immerhin bis 1998.

Überraschender Wechsel in Bundespolitik
Dass Prokop 2003 im relativ hohen Alter noch in die Bundespolitik wechselte, kam für viele überraschend.

Als Innenminister Ernst Strasser ziemlich überstürzt seinen Rückzug aus der Politik ankündigte, wollte Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll eine Vertrauensperson in der Bundesregierung, und da taugte für ihn niemand besser als Prokop, die seine gesamte Karriere begleitet hatte.

Bekennende Großkoalitionärin
Prokop wäre nach eigenen Angaben auch bereit gewesen, ihre Aufgabe in einer Regierung mit der SPÖ weiterzuführen. Dies überraschte insofern wenig, als sie stets als deklarierte Großkoalitionärin galt. Prokop war eine Politikerin des Ausgleichs. Rüde Ausritte seitens der Rechtsparteien waren der Ehefrau von Handball-Zampano Gunnar Prokop und dreifachen Mutter immer ein Gräuel.

Geborene Sykora
Geboren wurde Liese Prokop (Mädchenname Sykora) am 27. März 1941 in Wien. Sie verbrachte ihre Kindheit in Korneuburg und Tulln, wo sie auch maturierte. Anschließend studierte sie an der Universität Wien Leibeserziehung und Biologie. 1962 musste sie nach dem Tod ihres Vaters das Studium abbrechen und arbeitete als Jugendbetreuerin.

In dieser Zeit begann auch ihre sportliche Laufbahn, zur der sie ihr späterer Ehemann Gunnar als Trainer animierte. Auch die Familie war stets sportlich. Tochter Karin war Handball-Nationalspielerin, Neffe Thomas Sykora jahrelang eine Größe im Slalomweltcup der Skifahrer.