Ihre Untersuchungen haben die Forscher buchstäblich an den Beginn menschlichen Lebens zurückgeführt: zur Funktionsweise von embryonalen Stammzellen, die das "genetische Programm" aller Zellen eines einzelnen Menschen für den Rest seines Lebens festlegen.
Spurensuche in Krebszellen
Embryonale Stammzellen können wiederum nur deswegen ihre Funktion erfüllen, weil ihre unzähligen verschiedenen möglichen Funktionen durch "chemische Hebel" - so genannte Polycomb-Proteine - je nach Bedarf ein- oder ausgeschaltet werden.
Das war der Punkt, an dem die Forscher ansetzten. Zur Bestätigung ihrer These, dass Krebs aus Stammzellen entsteht - und nicht, wie eine andere Annahme lautet, aus "erwachsenen" Zellen -, begaben sie sich auf die Spuren dieser chemischen Hebel in Krebszellen.
Gebürtiger Tiroler federführend
Die Autoren der Studie, unter ihnen der gebürtige Tiroler Martin Widschwendter, wurden fündig: Gene von Krebszellen lassen sich durch einen Methylzusatz ("DNA-Methylierung") nachweisen. Und der tauchte vor allem dort auf, wo eigentlich Polycomb-Proteine sein sollten.
Der Schluss der Forscher, vereinfacht gesagt: Krebszellen sind Stammzellen, deren Polycomb-Proteinhebel durch DNA-Methylierung zerstört wurde: Ihr normales "Programm", das etwa die krankhafte Teilung und das Überleben bösartiger Zellen verhindert, kann nicht mehr ablaufen.
Gewaltige Chance für Früherkennung
Die Forschungsergebnisse könnten völlig neue Möglichkeiten für die Medizin eröffnen. Denkbar wäre etwa die Entwicklung von Strategien, um die Krebsanfälligkeit von Stammzellen - etwa durch die Verhinderung einer Methylierung - generell zu verhindern.
Abgesehen von Möglichkeiten für künftige Therapien könnten die Erkenntnisse jedoch vor allem für die Früherkennung von Krebs von Bedeutung sein. Der Ansatz der Forscher, wiederum vereinfacht gesagt: Wo Methylzusätze in den Zellen, dort Krebsrisiko.
Künftig nur "einfacher Bluttest" nötig?
Die Krebsbehandlung könnte unter Umständen künftig weit früher beginnen - und damit die Heilungschancen erhöhen. Widschwendtners Team am University College London (UCL) arbeitet bereits an einem "Verfahren zur Vorhersage eines Krebsrisikos auf der Basis eines einfachen Bluttests".
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