Zwischen Klage und Totalabrechnung

Streeruwitz rechnet im "Spiegel" mit dem Theater an sich ab.
Seit Wochen schon wehrt sich die österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz gegen die Inszenierung des neuen Stückes von Elfriede Jelinek, "Ulrike Maria Stuart". Bisher höchst erfolglos.

©Bild: APA-IMAGES / picture-alliance
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In einer Szene des Stückes wird Streeruwitz in der Inszenierung von Nicolas Stemann als sprechende Vagina dargestellt. In der neuen Ausgabe des "Spiegels" kritisiert Streeruwitz, dass das Thalia Theater weiterhin das Stück in ungeänderter Form zur Aufführung bringt. "Ich will als handelndes und denkendes Subjekt nicht auf ein sprechendes Geschlechtsorgan reduziert werden", beklagt Streeruwitz im "Spiegel".

Dass es sich dabei um eine Satire handle, will Streeruwitz nicht gelten lassen: "Deutschsprachiger Humor war immer ein Mittel der Verächtlichmachung."

Bisher keine Chance vor Gericht
Bis jetzt wurde dem Ansinnen von Streeruwitz, die Passage, in der sie als sprechende Vagina auftritt, streichen zu lassen, auch auf gerichtlicher Ebene nicht stattgegeben. Das Thalia Theater hatte die Vorwürfe bereits in der vergangenen Woche zurückgegeben und gab in Person von Thalia-Intendant Ulrich Khuon auch bekannt, sich dem Druck von Anwälten nicht beugen zu wollen.

Autorin wollte 5.000 Euro Schadenersatz
Streeruwitz sieht freilich, wie sie nun gegenüber dem "Spiegel" wiederholte, nicht nur ihre Persönlichkeits-, sondern auch ihre Urheberrechte verletzt, weshalb sie 5.000 Euro Schadenersatz forderte.

Eine Passage aus "Emma"
Da in der Passage auch Zitate aus einem Interview mit ihr verwendet werden, gehe es ihr auch um die Abgeltung von Urheberrechten, hatte Streeruwitz in der Vorwoche mitgeteilt.

Der Regisseur verwende Zitate aus einem Gespräch zwischen Jelinek und ihr aus der Zeitschrift "Emma" aus dem Jahr 1997. Vom Theater sei ihre Zustimmung dazu nicht eingeholt worden, argumentiert Streeruwitz nun auch im "Spiegel": "Ich bin telefonisch erreichbar. Es werden Texte von mir verwendet, da entstehen Fragen des Copyrights."

Thalia erstaunt
Das Thalia Theater reagierte auf diesen Punkt ebenfalls in der Vorwoche mehr als erstaunt. Khuon hatte erklären lassen, Auszüge aus einem jedermann zugänglichen Interview seien nicht als künstlerisches Werk anzusehen - deshalb unterlägen sie nicht dem Urheberrecht.

Für Streeruwitz verliert wiederum ein Theater, das sich der Diskussion, wie in ihrem Fall, verweigere, die Existenzgrundlage. "Das Theater ist heute nur noch eine Institution, in der sich eine absteigende A-Schicht der Gesellschaft abreagiert und damit das Unruhepotenzial eingefangen wird. Das Theater ist jetzt schon der Modellbetrieb der neoliberalen Ausbeutung", so Streeruwitz im "Spiegel".

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