"Touristenfallen" in Europa

Bis 2010 werden 110 Millionen chinesische Urlauber erwartet.
Europa muss sich nach Einschätzung von Tourismusexperten besser auf Urlauber aus China und Indien einstellen, empfehlen Tourismusexperten bei der derzeit stattfindenden jährlichen Tagung des Weltreisemarktes (World Travel Market, WTM) in London.

Viele europäische Länder seien derzeit schlecht auf die Besuchermassen aus Asien vorbereitet - im Gegensatz zu den Reisezielen im Nahen Osten.

Woran es mangelt
Allein im vergangenen Jahr reisten rund 14 Millionen Touristen aus Asien nach Europa, Tendenz weiter steigend. Angesichts dieses Besucherstroms gebe es nicht genügend Parkplätze für Busse, vielerorts kämen Touristen nur schwer in die Innenstädte.

Viele Geschäfte nähmen außerdem keine internationalen Kreditkarten an und es gebe nicht genug Geldautomaten. Außerdem fänden Gäste bisher zu wenige Broschüren vor, die ins Chinesische übersetzt seien.

"Kein Problembewusstsein"
Die Hindernisse seien in Europa vielen gar nicht bewusst, hieß es im WTM-Trendreport 2006. Dabei seien in den kommenden Jahren noch viel mehr chinesische Urlauber zu erwarten.

Bis zum Jahr 2010 werde die Zahl stark ansteigen und jährlich rund 110 Millionen Chinesen eine Reise nach Europa machen. Sie brächten Einnahmen von umgerechnet 74 Mrd. Euro.

Mehr Gastfreundschaft in Nahost?
Die Reiseziele im Nahen Osten könnten den europäischen Reisezielen vor diesem Hintergrund leicht den Rang ablaufen, wenn sich Europa nicht besser auf Urlauber aus China und Indien vorbereite, warnte der WTM.

Gerade für einen Strandurlaub sei Nahost angesagt, und immer mehr Fluggesellschaften flögen Ziele dort an. "Der Nahe Osten ist für seine Gastfreundschaft bekannt und liegt auch geografisch als weltweites Luftfahrtdrehkreuz perfekt zwischen Ost und West", heißt es in dem Bericht.

Branche immer krisenresistenter
Trotz hoher Energiepreise, Naturkatastrophen und Terroranschlägen stieg die Zahl der Touristenankünfte im vergangenen Jahr weltweit um 5,5 Prozent auf ein Allzeithoch von geschätzt über 800 Millionen, wie die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (World Tourism Organization, UNWTO) heuer mitteilte.

Laut einer Studie der Organisation wird im kommenden Jahr die Zahl der Urlauber weltweit weiter deutlich zunehmen. Für 2007 sei mit einem Anstieg der Touristen von rund vier Prozent zu rechnen.

Günstige Wechselkurse
Verantwortlich für den Anstieg seien etwa das Wachstum der Weltwirtschaft und für Urlauber aus Europa und Asien weiter günstige Wechselkurse. Motor der Entwicklung werde auch Afrika sein, wo den Angaben zufolge schon dieses Jahr rund zehn Prozent mehr Touristen verzeichnet werden.

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