In einer Reaktion präsentierte Westenthaler einen Brief. Es sei ein Antwortbrief des Alpenvereins an den Wiener SPÖ-Gemeinderatsabgeordneten Omar Al-Rawi, der auch in der Islamischen Glaubensgemeinschaft aktiv ist.
In dem angeblichen Schreiben (hier gezeigt auf einer Online-Seite von "Datum") reagiert der Alpenverein auf einen Vorschlag, auf den Bergen Halbmonde statt Gipfelkreuzen anzubringen.
Davon ist in dem Brief aber nicht die Rede, sondern von einer allgemeinen Diskussion über das Gipfelkreuz als Herrschaftszeichen des Christentums. Außerdem ist der Brief offenbar gefälscht: Der angebliche Unterzeichner, Alpenvereinsvizepräsident Andreas Ermacora bestritt, den Brief verfasst zu haben.
Auch FPÖ fragte an
Ermacora sagte, er kenne das Schreiben zwar, habe es aber nicht verfasst. Sein angeblicher Brief an Al-Rawi sei ihm im Juni erstmals zur Kenntnis gelangt. Am 6. Juni dieses Jahres habe er ihn nämlich von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache geschickt bekommen, gemeinsam mit der Bitte, er möge sich dazu äußern.
"Ich habe damals geantwortet, dass ich so einen Brief nie geschrieben habe. Danach habe ich davon nichts Weiteres gehört", sagte Ermacora. Er sei auf die Causa erst wieder durch die TV-Konfrontation aufmerksam geworden. "Das wurde vom BZÖ offenbar ungeprüft übernommen", so Ermacora. Er selbst habe sich nie mit dem Thema "Halbmond statt Gipfelkreuz" befasst.
"Datum": Bekenntnis von Künstlergruppe
Das Magazin "Datum" berichtete wenig später auf seiner Website, dass sich eine "Künstlergruppe" zu dem Schreiben bekenne. "Jeder sehfähige Mensch erkennt das Schreiben als Fake. Jeder verantwortungsvolle Mensch hätte die Richtigkeit des Schreibens überprüft, bevor er damit ins TV geht", heißt es in der Mitteilung der Gruppe. Mehrere Politiker hätten ähnliche gefälschte Schreiben bekommen.
So sei das konkrete Alpenvereinsschreiben auch an Strache ergangen, sagte ein Mitglied der Gruppe zu "Datum".
"Westenthaler war von Beginn an ein heißer Tipp. Er wurde deshalb gewählt, weil er durch seine Frisur bereits ausdrückt, dass er keine Grenzen der Scham und des Anstands kennt", heißt es im Bekennerschreiben.
"Haben wir keine anderen Sorgen"?
Die Gruppe nenne sich "Haben wir denn keine anderen Sorgen" und habe in einer Aktion unter dem Motto "How low can you go" nach eigenen Angaben testen wollen, "wie weit populistische Politiker gehen", heißt es im Kommunique der Gruppe.
BZÖ: Der Brief ist echt
Das BZÖ bleibt indes bei seiner Darstellung, der Brief sei echt. In einer Aussendung sagte BZÖ-Bundespressesprecher Lukas Brucker, die SPÖ fühle sich ertappt und sei "peinlich darum bemüht, die Diskussion um die Anbringung von Halbmonden an Gipfelkreuzen herunterzuspielen".
Tatsache sei, dass der Brief existiere, so Brucker. "Sollten die genannten Personen anderer Meinung sein, dann sollen sie klagen und der Fall wird vor Gericht ausgetragen", forderte der BZÖ-Sprecher. Zur APA sagte Brucker weiters, man habe den Brief "aus einer verlässlichen Quelle" erhalten.
Klagen gegen das BZÖ
Ermacora kündigte am Freitag eine Klage an. Nachdem das BZÖ ausdrücklich daran festhalte, dass der Brief echt sei, "wird das BZÖ aufgefordert, dies unverzüglich zu widerrufen", so Ermacora in einer Aussendung.
Auch Al-Rawi kündigte Freitagabend in der ZIB2 eine Klage auf Unterlassung und wegen Kreditschädigung gegen das BZÖ an. Er habe bereits Kontakt mit seinem Anwalt aufgenommen, die Klage werde am Montag eingebracht, so Al-Rawi, dessen Familie bereits "erboste Anrufe" erhalten haben soll.
Der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) sprach von einer "grotesken Sache" und versicherte, von dem Brief erst am Donnerstag erfahren zu haben.
Links: