"Größe spielt keine Rolle"

Demonstration für "Planeten" Pluto in den USA.
In der Welt der Astronomen ist die kürzliche Deklassierung des einstigen Planeten Pluto offenbar noch weitaus umstrittener als bisher angenommen.

Hunderte US-Wissenschaftler wollen den Zank um den nunmehrigen "Zwergplaneten" jedenfalls nicht kampflos aufgeben und wandten sich am Freitag mit einer Petition gegen die neue Definition der Internationalen Astronomischen Union (IAU), die Pluto seinen Planetenstatus gekostet hat.

Neue Kategorie für Pluto geschaffen
Die Debatte, ob unser Sonnensystem nun acht oder neun klassische Planeten hat, dürfte also weitergehen.

Der von 2.500 Wissenschaftlern und Astronomen in der vergangenen Woche nach hitziger Debatte verabschiedeten Definition zufolge ist Pluto in die neu geschaffene Kategorie der "Zwergplaneten" einzuordnen.

Was ein Planet können muss
Ein Planet muss demnach um einen Stern kreisen, darf dabei aber selbst kein Stern sein. Er muss groß genug sein, dass die eigene Schwerkraft ihn in eine Kugelform zieht.

Zudem muss er genug Masse haben, um seine Umlaufbahn von anderen Objekten freigeräumt zu haben. Letzteres trifft auf Pluto nicht zu.

"Politische Entscheidung"
"Die IAU kann den ganzen Tag lang sagen, der Himmel sei grün, deshalb wird er es noch lange nicht", sagte Alan Stern, Planetenforscher am Southwest Research Institute in Boulder, Colorado, und einer der Initiatoren der Petition.

Die Entscheidung der Organisation sei politisch, nicht wissenschaftlich motiviert.

Suche nach neuer Definition
"Die IAU hat eine Definition geschaffen, die technisch unsauber, sprachlich unsauber und wissenschaftlich peinlich ist", so Stern weiter.

Der Definition der IAU zufolge wären auch die Erde und andere klassische Planeten wegen naher Asteroiden keine Planeten mehr.

Die 300 Wissenschaftler, die die Petition unterzeichnet haben, wollen die Definition nicht anwenden, sondern im kommenden Jahr eine Konferenz organisieren, die eine bessere Begriffserklärung liefern soll.

"Protest für Pluto"
Angeführt vom Sohn und der Witwe des Pluto-Entdeckers demonstrierten am Samstag Studenten und Wissenschaftler im US-Staat New Mexico gegen die Degradierung des ehemaligen Planeten.

Unter dem Motto "Größe spielt keine Rolle" und "Protest für Pluto" versammelten sie sich auf dem Campus der Universität Las Cruces, deren Astronomie-Abteilung 1955 vom Pluto-Entdecker Clyde Tombaugh gegründet wurde.

"Clyde Tombaugh war ein amerikanischer Held", sagte sein Ex-Kollege Herb Beebe. Schon allein aus diesem Grund solle Pluto seinen Status als vollwertiger Planet behalten.

Viele IAU-Mitglieder stimmten nicht mit
Der Forscher Bernie McNamara betonte, die Lehrbücher dürften nicht umgeschrieben werden, weil die Debatte über den Status des Himmelskörpers noch nicht beendet sei.

Bei der Entscheidung der IAU seien nur 400 der mehreren Tausend IAU-Mitglieder vertreten gewesen.

Xena brachte Debatte in Schwung
Seit seiner Entdeckung 1930 galt Pluto als neunter Planet des Systems. Im Jahr 2003 wurde jedoch ein näher gelegener und größerer Himmelskörper entdeckt: Objekt 2003 UB313, inoffiziell auch Xena genannt.

Damit begann die Diskussion, ob Xena und zwei andere Himmelskörper zu Planeten zu erklären seien. Die Wissenschaftler in Prag entschieden sich jedoch für eine Deklassierung von Pluto.

Keine neuen Planeten
Drei Himmelskörper hatten nach höheren Planetenweihen gegriffen: Ceres, Charon und Xena. Es bleibt vorläufig jedoch bei acht Planten. Ceres und Xena gehören nun in die voraussichtlich rasch wachsenden Gruppe der Zwergplaneten.

Auch Plutos Begleiter Charon wurde der Planetenstatus verwehrt, er bleibt bloß ein Mond von Pluto.

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