Die Ikonografie ähnelt jener der beiden vorangegangenen Konflikte: Satellitenbilder, die den Einschlag von Bomben in Computerspielästhetik zeigen; Rauchsäulen über bewohntem Gebiet; Soldaten, die mit Helmkameras Gebäude stürmen; und mehr denn je: Bilder von zivilen Opfern.
Unverfrorene Fälschungen
Vor allem die Propagandamaschinerie der Hisbollah läuft. Sie will die arabische Welt davon überzeugen, dass hier ein Krieg gegen muslimische Zivilisten geführt werde.
Aber auch die große Konkurrenz unter Fotoreportern führt zu Manipulationen am Bildmaterial.
Überraschend ist die amateurhafte Unverfrorenheit, mit der in der aktuellen Krise Bilder gefälscht und Motive gestellt werden.
Weblogs als Aufdecker
Neu ist aber auch, wie rasch Manipulationen und Inszenierungen durch Hinweise von Weblogs aufdeckt werden. Besonders zwei Fälle sorgten während der vergangenen Wochen für Aufregung.
Die toten Kinder von Kana
Der erste Vorfall liegt eine Woche zurück. In Kana wurden bei einem israelischen Luftangriff mindestens 28 Menschen getötet, darunter 16 Kinder und Jugendliche. Schon wie es zu dem Vorfall kam, gilt als umstritten.
Israel hatte vor dem Bombardement warnende Flugblätter abgeworfen. Eine der im Internet kursierenden Theorien lautet, dass die Hisbollah daraufhin vorsätzlich behinderte Kinder in jenem Gebäude unterbrachte, das die Israelis zerstören wollten.
Propagandisten als Vorzeigeväter?
Auffällig ist jedenfalls, dass auf zahlreichen Fotos immer wieder dieselben zwei Männer zu sehen sind, die verzweifelt mit toten Kindern im Arm an den Kameras vorbeilaufen. Nur einzeln betrachtet legen die Bilder nahe, dass es sich bei ihnen um vor Wut und Trauer gellend schreiende Väter handelt.
![]() |
| ©Bild: APA |
Ein Mädchen sei sogar im Stundenabstand mehrmals "vorgeführt" worden, heißt es. Die beiden Männer, einer in weißem T-Shirt, der andere mit grünem Helm, hätten ganz offensichtlich keine andere Funktion gehabt.
![]() |
| ©Bild: AP |
War es ein Fehler, dass die Bilder zunächst international kommentar- und kritiklos publiziert wurden? Die Vermutung lautet - mittlerweile weit über die Blog-Sphäre hinaus (die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete etwa) -, dass es sich bei den beiden Männern in Kana um Hisbollah-Propagandisten handelte.
"Verschwörungstheorie"
Es gibt aber auch Gegenstimmen, wie etwa die eines Journalisten des britischen "Telegraph", der in seinem eigenen Blog von "Verschwörungstheorien" spricht. Außerdem seien bei dem Vorfall unbestreitbar Kinder durch israelische Bomben gestorben - also könne man auch ihre Leichen zeigen.
Gefälschte Rauchsäulen steigen auf
In einem anderen Fall ist die Fälschung außer Streit gestellt. Die internationale Nachrichtenagentur Reuters hatte am Samstag ein Foto ihres freien Mitarbeiters Adnan Hajj veröffentlicht, auf dem dicke Rauchschwaden über der libanesischen Hauptstadt Beirut nach einem israelischen Luftangriff zu sehen waren.
Mehrere Weblogs warfen Reuters im Anschluss vor, das Bild sei manipuliert und zeige mit einer Software nachträglich eingefügte Rauchsäulen. Reuters zog das Bild daraufhin am Sonntag zurück und publizierte das Originalfoto.
Fälschung klar erkenntlich
Selbst für Amateure ist klar ersichtlich, dass das Bild manipuliert wurde. Die dabei angewandte Technik nennt sich "Stempeln".
![]() |
| ©Bild: Reuters |
Das heißt, ein Element aus einem Foto wird kopiert und dann an beliebiger Stelle reproduziert. Wie man sieht, wurde ein Teil einer Rauchsäule mehrmals zu neuen Schwaden "gestapelt".
Eine Untersuchung aller Bilder des Fotografen ergab Reuters zufolge, dass mindestens ein weiteres Bild vom Nahost-Krieg manipuliert worden ist.
Drei Raketen statt einer
Das Foto stammt vom 2. August und zeigt einen israelischen F-16-Kampfjet über der Ortschaft Nabatijeh im Südlibanon. Die Zahl der abgeschossenen Leuchtraketen auf dem Bild wurde von ursprünglich einer auf drei erhöht.
Freie Mitarbeiter werden je nach Verwendung ihrer Fotos bezahlt: je spektakulärer ein Bild, desto höher der Preis und die Wahrscheinlichket, dass es gekauft wird.
![]() |
| ©Bild: Reuters |
Vertrauen einmal mehr enttäuscht
Reuters ist peinlich um Schadensbegrenzung bemüht. Neben Beteuerungen, in Zukunft genauer zu kontrollieren, veröffentlicht die Agentur auf ihrer Website Kunden- und User-Schelte über die gefälschten Fotos.
Tiefe Enttäuschung und Vertrauensverlust sind dabei der Tenor. Einmal mehr wird durch die offenbar gestellten Bilder von Kana und die Fälschungen von Hajj bewusst, wie wenig in Kriegszeiten selbst renomierten Quellen zu trauen ist.
Links:
- Shane Richmond (Telegraph)
- "Frankfurter Allgemeine Zeitung"-Artikel
- Reuters-Site zur Fälschung
- EU Referendum Weblog mit ausführlichem Themenschwerpunkt zur Libanon-Krise



