Noch zeugen wuchtige Pfeiler einer Anfang des 12. Jahrhunderts von den Aturkiden, einem Turkvolk, errichteten Steinbrücke von der einstigen strategischen Bedeutung der Stadt. Schon bald könnte nur noch die Spitze des markanten Minaretts der Rizk-Moschee aus den Fluten des Ilisu-Sees ragen.
Archäologische Funde in den weitläufigen Höhlen, von denen einige noch heute bewohnt werden, haben gezeigt, dass der Ort auf eine Jahrtausend alte Siedlungsgeschichte zurückblicken kann.
Wiederaufbau geplant
Die Vertreter der VA Tech Hydro versicherten, dass nur etwa 20 Prozent der historischen Stadt Hasankeyf überflutet werden würde.
Zum Schutz der Kulturgüter sollen zudem an die hundert Millionen Euro verwendet werden. 25 Millionen Euro davon stammen aus einem Sonderbudgetposten des Baukonsortiums. Damit solle etwa die historische Infrastruktur soweit wie möglich in einem neu zu errichtenden archäologischen Park wieder aufgebaut werden.
Britisches Konsortium zog sich zurück
Nichtsdestotrotz würden mehrere Tausend Höhlen und die Gräber der Bewohner für immer in den Fluten versinken, kritisierten NGOs. Zudem verweisen die Kraftwerksgegner auch auf jenes britische Konsortium, das bereits Ende der 90er Jahre mit der Umsetzung des Damms beauftragt wurde.
Die angesichts der bevorstehenden Zerstörung Hasankeyfs ausgelösten Proteste hatten vor fünf Jahren dafür gesorgt, dass sich das Unternehmen wieder aus dem Projekt zurückzog.
Bodenmosaike gerettet
Bereits vor sechs Jahren versanken die Überreste der vor 2300 Jahren von einem General Alexanders des Großen am Oberlauf des Euphrats gegründeten Stadt Zeugma in den Fluten des Birecik-Staudamms.
Erst in letzter Minute, als das Wasser schon stieg, ging ein Aufschrei durch die Welt. Dank internationaler Sponsoren machten sich die Archäologen daran, von diesem "zweiten Pompeji" zu retten, was es noch zu retten gab. Freigelegt wurden einzigartige Bodenmosaike, die einst die Villen der in römischer Kaiserzeit zu Reichtum gelangten Handels- und Garnisonsstadt schmückten.
Die den Fluten entrissenen Mosaike, Wandfresken und Statuen sind seit letztem Jahr im Museum der nahe gelegenen Stadt Gaziantep zu sehen. Am geschichtsträchtigen Ort selbst ist es still geworden. Von einer Aussichtsplattform bietet sich dem Besucher nur noch der Blick auf eine blaue, buchtenreiche Wasserfläche und auf die sie einrahmenden Berge mit ausgedehnten Pistazienbaumfeldern.
Link:
- Hasankeyf (Wikipedia)