Nun verdichten sich die Hinweise, dass Blairs nächster Karriereschritt schon feststehen könnte: Der konservative amerikanisch-australische Medientycoon Rupert Murdoch winkt angeblich mit einem Managementposten in seiner gigantischen News Corporation.
Arnie, Bono, Schimon und Bill
Denn auf seiner US-Reise traf sich Blair am Wochenende nicht nur mit US-Präsident George W. Bush, sondern stattete auch Murdoch einen Besuch ab.
Neben Arnold Schwarzenegger, U2-Sänger Bono Vox, dem israelischen Vizepremier Schimon Peres und dem ehemeligen US-Präsidenten Bill Clinton fand sich Blair als Starredner auf der jährlichen Klausurtagung des News Corp in Pebble Beach ein, was als klares Signal gewertet wurde.
Lukrative Reden
Britische Medien mutmaßten daraufhin am Wochenende, dass ein baldiger Wechsel zu Murdoch entgegen letzten Äußerungen Blairs immer wahrscheinlicher werde.
Zumal sich ein Murdoch-Job bestens mit dem erwarteten Einstieg in eine profitable Vortragskarriere - vornehmlich in den USA eine blühende Branche für abgedankte Politiker - kombinieren ließe.
"Denke nicht über Datum nach"
Blair selbst hatte zuletzt durchblicken lassen, noch mindestens ein Jahr im Amt bleiben zu wollen, legte sich zugleich aber auf kein Datum fest.
Er freue sich schon auf den nächsten G-8-Gipfel, sagte Blair kürzlich der BBC am Rande des Treffens der sieben führenden Industrienationen und Russlands in St. Petersburg. Am wichtigsten sei ihm natürlich, weiter seine Arbeit zu machen, er sitze nicht da und denke die ganze Zeit über das genaue Datum nach, so Blair.
"Genügend Zeit" für Nachfolger
Blair hatte nach seiner Wiederwahl im Mai 2005, bei der seine Partei enorme Stimmenverluste hinnehmen musste, erklärt, dass er nicht die gesamte Legislaturperiode im Amt bleiben wolle und dass er seinem Nachfolger "genügend Zeit" lasse, um sich vor der nächsten Parlamentswahl zu profilieren.
Es wird erwartet, dass er Finanzminister Gordon Brown als Nachfolger vorschlägt. Die nächsten Unterhauswahlen in Großbritannien finden spätestens im Mai 2010 statt.
Parteifreunde wollen Blairs Abgang
Doch der Druck auf den angeschlagenen Premier wächst - auch parteiintern. Der ehemalige Labour-Vize Roy Hattersley schlug kürzlich einen Rücktritt Blairs beim Parteitag im September vor. Je länger er bleibe, desto mehr schade er der Partei und sich selbst.
Der Beginn einer Freundschaft
Die Freundschaft zwischen dem konservativen Medienmogul Murdoch und dem sozialdemokratischen Blair ist kein Geheimnis.
Im Juli 1995 hielt der damals frisch gewählte Labour-Vorsitzende zur Überraschung vieler eine Grundsatzrede anlässlich einer News-Corp-Tagung auf Hayman Island, in der er versprach, die Medienkonzerne vom starren Regulierungskorsett zu befreien.
Riesiges Imperium
Damit gewann Blair seinen reichsten und bekanntesten Unterstützer, dessen Medienimperium aus zig-Hunderten Tochterfirmen besteht - vor allem in Australien, den USA und Großbritannien: Zeitungen wie die "Times" und die "New York Post", Boulevardblätter wie "The Sun" oder der Bezahlsender BSkyB sowie der konservative US-Sender Fox gehören dazu.
"24. Mitglied im Kabinett"
Damit war Blair der Bruch mit der Policy seines Vorgängers Neil Kinnock an einer wichtigen Front gelungen: Aus der offenen Feindschaft zwischen der Labour und den Murdoch-Medien entstand eine enge Kooperation.
Murdoch ist das "24. Mitglied im Kabinett", zitiert die Tageszeitung "The Independent" am Wochenende einen ehemaliger Mitarbeiter in Downing Street 10: Ohne Gordon Brown, Premiervize John Prescott und Murdoch könne keine wichtige Entscheidung gefällt werden.
Anerkennung für Irak-Kurs
Mit dem umstrittennen Irak-Kurs hatte Blair zuletzt auch das auflagenstarke eher konservativ orientierte Boulevardblatt "Sun" auf seine Seite gebracht. Sie hatte Blair auch in den beiden letzten Wahlkämpfen unterstützt, zwischendurch aber gegen viele seiner Vorhaben kampagnisiert, so etwa die stärkere EU-Integration Großbritanniens.
Die Entscheidung für Blair sei in Honorierung seiner Wirtschaftspolitik und seiner Reform des Wohlfahrtsstaates gefallen, erklärte "Sun"-Innenpolitik-Chef Trevor Kavanagh heuer im ebenfalls zum Murdoch-Imperium gehörenden TGV-Sender "Sky News" - aber auch "und vor allem wegen des Irak. Wir glauben, dass sein Mut, die USA zu unterstützen und gegen den Irak in den Krieg zu ziehen, gewürdigt werden muss."
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