Risiko für mitfahrende Kinder

Rauch-Kallat winkt bei Rauchverbot in der Gastronomie ab.

  Während anlässlich des Welt-Nichtrauchertages zuletzt Rufe nach einem generellen Rauchverbot in Lokalen nach britischem oder italienischem Vorbild laut wurden, gehen Österreichs Lungenfachärzte nun noch einen Schritt weiter.

Sie fordern, Rauchen im privaten Pkw unter Strafe zu stellen - zumindest wenn sich Kinder im Fahrzeug befinden.

Schadstoffkonzentration besonders hoch

"Ich glaube, dass man bei Kleinsträumen auch Strafen einführen könnte wie bei der Gurtenpflicht", zitierte das Ö1-Morgenjournal am Mittwoch die Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Sylvia Hartl - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Im Fahrzeuginnenraum sei die Konzentration an Schadstoffen besonders hoch.

Debatte über Rauchverbot in Lokalen

Zuletzt hatte sich neben dem Fachärzteverband auch die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) für eine generell rauchfreie Gastronomie ausgesprochen.

Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) steht diesen Forderungen jedoch ablehnend gegenüber. Man habe erst unlängst mit dem Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen, das seit 1. Jänner 2005 in Kraft ist, effektive Maßnahmen gesetzt.

40 Prozent rauchfreie Plätze

In der Gastronomie laufe derzeit die Umsetzung der Nichtraucherplätze (bis Ende 2006 müssen 40 Prozent der Sitzgelegenheiten rauchfrei sein). Für 2007 stellte die Ministerin eine Evaluierung in Aussicht, in der die Umsetzung dieser Maßnahme sowie die Kundenzufriedenheit erhoben werden sollen.

Erst im Anschluss daran könne man über weitere Maßnahmen diskutieren. Ein generelles Rauchverbot in Lokalen schloss Rauch-Kallat erneut aus.

Knappe Mehrheit für Rauchverbot

Dabei tritt nach einer OGM-Umfrage im Auftrag des ORF-"Reports" eine knappe Mehrheit der Österreicher für ein generelles Rauchverbot in allen Restaurants, Gasthäusern und Lokalen ein: 51 Prozent der 500 per Telefon Interviewten halten das "grundsätzlich für eine gute Idee", 44 Prozent sind dagegen, der Rest wollte sich nicht äußern.

Mehrheit fühlt sich nicht gestört

Auf die Frage, ob man sich des Öfteren in der Gastronomie durch Raucher belästigt fühlt, meinten aber lediglich 45 Prozent, das sei so, 51 Prozent verneinten die Frage.

Tolerante Österreicher

Nach diesen Umfragedaten gehören die Österreicher zu den tolerantesten Europäern. Laut einer Eurobarometer-Umfrage treten 77 Prozent der Europäer für ein Rauchverbot in Restaurants ein, 62 Prozent wollen ähnliche Maßnahmen auch in Bars und Cafes sehen.

Besonders hoch ist die Ablehnung der Europäer beim Rauchen am Arbeitsplatz. 87 Prozent der Befragten treten für ein Verbot im Büro ein. 84 Prozent wollen Tabak auch von anderen öffentlichen Plätzen wie U-Bahnen, Flughäfen und Geschäften verbannen.

300 tote Nichtraucher jährlich

Laut dem Facharzt Reinhard Kürsten sterben täglich zwei bis drei Österreicher an den Folgen von Passivrauchen. 300 der jährlich rund 1.000 Toten seien Nichtraucher, wie in einer europäischen Studie errechnet wurde. Todesursache Nummer eins dabei seien Herzinfarkte gefolgt von Schlaganfällen.

Gemeinsam mit der Österreichischen Krebshilfe hat der Arzt eine Broschüre initiiert, die über gesetzlichen Nichtraucherschutz und gesundheitliche Folgen von Passivrauchen informiert.

Nur Rauchverbot hilft

Pro Jahr sterben etwa sieben Angestellte in Gastronomiebetrieben an den Folgen von Passivrauchen, so Kürsten. Während in anderen öffentlichen und geschlossenen Räumen Maßnahmen zum Schutz von Nichtrauchern getroffen würden, sei diese Berufsgruppe "diskriminierend" davon ausgeschlossen.

Auch Lüftungsanlagen könnten das Problem nicht lösen, da giftige Gase im Raum zurückblieben, meinte Kürsten. Schutz für die Gastronomie-Angestellten biete ein generelles Rauchverbot. "Die Mitarbeiter aus der Gastronomie werden hier aus dem Arbeitnehmerschutzgesetz völlig ausgeklammert", kritisierte auch ÖGP-Generalsekretärin Hartl.

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