Falls noch jemand einen Beweis dafür braucht, dass man den "Playboy" wirklich nur wegen der Texte und nicht wegen der Fotos kaufen kann, hier ist er: Es gibt den "Playboy" auch in Blindenschrift. Schon seit 1970 bietet die US-Library of Congress das Herrenmagazin in Braille an.
"Playboy"-Gründer Hugh Hefner hat im Gegensatz zu vielen seiner Leser allerdings noch nie behauptet, sich nichts aus den Fotos zu machen.
Nur mehr drei Freundinnen
Obwohl Hefner inzwischen 80 Jahre alt ist, war er noch bis vor kurzem mit sieben Blondinen um die 20 liiert. Mittlerweile sind es nur noch drei - angeblich, weil er mit zunehmendem Alter Schwierigkeiten hat, sich so viele Namen zu merken.
Sonst aber ist alles wie früher. Hefner zeigt sich auch tagsüber am liebsten im schwarzen Seidenpyjama, hat noch immer einen Spiegel an der Decke seines Schlafzimmers und hält weiter daran fest, er lebe den heimlichen Traum eines jeden Amerikaners: 60 Jahre mit 20-Jährigen zu verbringen.
"Amerikanischen Sex revolutioniert"
Der Spross einer streng protestantischen Familie aus Chicago, der eigentlich Missionar werden sollte, hat die US-amerikanische Kulturgeschichte ohne Zweifel bedeutend mitgeprägt.
Die "New York Times" hat einmal geschrieben, dass sein 1953 gegründetes Magazin für "Männerunterhaltung" den "amerikanischen Sex revolutioniert" habe.
Hefner, der an falscher Bescheidenheit so wenig Geschmack findet wie an Frauen mittleren Alters, spricht von sich selbst gern als einem Befreier Amerikas: Er habe es nahezu als seine politische Berufung gesehen, mit so vielen Frauen wie möglich zu schlafen.
"Playboy" provoziert niemanden mehr
Die große Zeit des "Playboys" waren die 60er und 70er Jahre. Die Werbewirtschaft begriff damals schnell, dass sie über das Blatt einen klar definierten Abnehmerkreis für Sportwagen, Duftwässer, Zigaretten, Alkohol und Potenzmittel erreichen konnte.
Dann kamen die Feministinnen, AIDS und vor allem sehr viel aggressivere Softpornoblätter. Heute, da man im nachmittäglichen TV-Programm über Vaginalkrämpfe spricht und sich in Kalifornien Penisverlängerungen zu Weihnachten schenkt, provoziert der "Playboy" niemanden mehr.
Auflage sinkt
Die Auflage ist um mehr als die Hälfte auf jetzt noch drei Millionen gesunken. Hefner muss sich damit nicht mehr herumschlagen: Er gab die Führung des Unternehmens 1985 an seine Tochter ab und verschwand damit eine Zeit lang aus der öffentlichen Wahrnehmung.
Liberales Urgestein
Doch in den letzten Jahren hat er eine erstaunliche Renaissance erlebt. Unter Bush haben ihn die Anhänger eines freieren Amerikas früherer Tage als liberales Urgestein wieder entdeckt.
Schließlich hat sich der "Playboy" einst nicht nur für sexuelle Freizügigkeit, sondern auch gegen den Vietnamkrieg engagiert - und so ist heute wieder halb Hollywood darauf erpicht, an den legendären Partys in Hefners Villa Playboy Mansion mit schönen Frauen, Pfauen und Flamingos teilnehmen zu dürfen.
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