Der britische Fußballstar David Beckham leidet nach eigenen Angaben unter einer Zwangsstörung. "Ich muss immer alles in gerade Linien stellen und Paare bilden", sagte Beckham in einem Fernsehinterview mit dem britischen Sender ITV, das vor der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer ausgestrahlt werden soll.
Cola-Dosen nur in Paaren
"Bevor ich mich in einem Hotelzimmer entspannen kann, muss ich alle Bücher und Broschüren in eine Schublade geben. Alles muss perfekt sein", so Beckham. Ehefrau Victoria nenne ihn deshalb einen "Spinner".
"Wir haben drei Kühlschränke, einen für Essen, einen für Salat und einen für Getränke", erzählte die Sängerin in dem Interview. "In dem für Getränke ist alles symmetrisch. Wenn es drei Dosen gibt, schmeißt er eine weg, weil es eine gerade Zahl sein muss."
Süchtig nach Tätowierungen
Er habe versucht, seine Ticks und Rituale unter Kontrolle zu bekommen, aber er könne nicht aufhören. Beckham gab auch zu, süchtig nach Tätowierungen zu sein: "Lustigerweise - und ich weiß, das klingt verrückt - genieße ich den Schmerz."
Allerdings wünsche Victoria nicht, dass er sich über die zwölf angesammelten Tattoos hinaus weitere machen lasse.
Teamkollegen wissen nichts
Beckhams Teamkollegen bei Real Madrid hätten bisher noch nichts von seiner Zwangsstörung mitbekommen, sagte der Fußballstar in dem TV-Interview. Nachdem britische Zeitungen von der "Daily Mail" bis zum "Independent" die Enthüllung aufgriffen, dürfte sich das schnell ändern.
Bleibt zu hoffen, dass das spanische Team sensibler ist als Beckhams alte Mannschaft bei Manchester United: Die britischen Kicker hätten absichtlich seine Kleidung in Hotelzimmern zerwühlt und Zeitschriftenstapel durcheinander gebracht, um ihn zu ärgern.
"Für sie war das ein Scherz"
Beckham berichtet in dem Interview, wie seine Manchester-Kollegen Paul Scholes, Nicky Butt, Ryan Giggs und Gary und Phil Neville ihn in seinem Hotelzimmer besuchten. "Ich glaubte, sie kommen bloß, um zu quatschen. Doch dann gingen sie wieder, und ich denk mir: 'Irgendetwas ist hier anders.' Und dann waren plötzlich alle Zeitschriften durcheinander."
"Sie haben sich auch an meine Garderobe gemacht, und meine Hosen und Schuhe waren überall. Für sie war das ein Scherz", so Beckham.
Bizarre Rituale
In der britischen Boulevardpresse ist Beckhams exzentrisches Benehmen ein Dauerthema - etwa dass seine Hemden angeblich unbedingt nach Farbe geordnet sein müssen, dass er alle zwei Wochen 30 identische Calvin-Klein-Unterhosen kaufe. Die "Daily Mail" kolportierte, der Fußballer verbringe Stunden damit, Möbelstücke zu justieren.
Weit verbreitet
Zwangsstörungen (Obsessive Compulsive Disorder, COD) sind relativ weit verbreitet: Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden an der Krankheit, bei der sie von Gedanken gequält werden oder Handlungen umsetzen müssen, die übertrieben oder sinnlos sind.
Ärzte und Hilfsorganisationen reagierten positiv auf das "Coming-out" des Fußballers: Besonders für junge Männer seien Zwangsstörungen ein Tabu. Dass auch ein umjubelter Fußballstar wie Beckham an der Krankheit leide, werde das öffentliche Bewusstsein stärken, meinen Experten.
Von Allen bis Proust
Weitere Prominente mit Zwangsstörungen sind unter anderen Woody Allen, Harrison Ford und Michelle Pfeiffer. Schauspieler Billy Bob Thornton, der Ex-Mann von Angelina Jolie, erklärte, er müsse ständig Wörter in einer bestimmten Anzahl wiederholen. Die Ticks von Charles Dickens und Marcel Proust sollen ebenfalls Zwangsstörungen gewesen sein.
Martin Scorsese schnitt das Thema im Vorjahr in seinem Film "Aviator" über Howard Hughes an. Der von Leonardo DiCaprio gespielte US-Millionär hatte paranoide Angst vor Bazillen und urinierte in einen Steinkrug. Die vollen Gefäße bewahrte er in seinem Schlafzimmerschrank auf.
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