Neue Folterfotos veröffentlicht

US-Unteroffizier vor U-Ausschuss: Auch Kinder in Abu Ghoraib misshandelt.

  Das durch einen vor zwei Jahren aufgedeckten Folterskandal berüchtigte irakische Gefängnis Abu Ghoraib steht erneut im Mittelpunkt von Misshandlungsvorwürfen gegen die US-Armee.

Nach den Aussagen eines US-Unteroffiziers seien wiederholt auch Kinder von Häftlingen von US-Militärs misshandelt worden.

Auch Sohn von General unter Opfern

Dieses Verfahren sei beispielsweise angewendet worden, um den irakischen General Hamid Sabar unter Druck zu setzen, sagte Unteroffizier Samuel Provance am Dienstag (Ortszeit) vor einem Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses.

Der 16-jährige Sohn des Generals sei festgenommen worden, ohne dass gegen ihn Vorwürfe vorlagen. Dann sei er unter den Augen des Vaters mit Eiswasser bespritzt worden.

Außerdem sei er mit einem Kriminellen in einem Gefängnistrakt eingesperrt worden, der für Vergewaltigungen von Häftlingen berüchtigt gewesen sei.

"Übliche" Praxis

Der 16-Jährige sei "Opfer von Misshandlungen" gewesen, "um den General zum Sprechen zu bringen", sagte Provance, der nach seinen Aussagen über die Praktiken in dem Gefängnis degradiert worden war. Derartige Misshandlungen seien in dem Gefängnis üblich gewesen, fügte Provance hinzu.

Im Falle Sabars habe das jedoch nicht die erwünschte Wirkung erzielt. Der General sei nach der Misshandlung seines Sohnes so stark mitgenommen gewesen, dass er nicht mehr zu einer Aussage in der Lage war.

Australischer Sender zeigt neue Folterbilder

Neben den neuen Foltervorwürfen könnte zudem ein australischer Sender für neue Aufregung im Folterskandal von Abu Ghoraib sorgen.

Der TV-Sender SBS veröffentlichte bisher unbekannte Fotos von Folterungen irakischer Gefangener. Die Bilder, die nach Angaben des Senders aus dem berüchtigten irakischen Gefängnis stammen, zeigen getötete und schwer verwundete Menschen. Diese waren nach Angaben von SBS Opfer von US-Soldaten und -Aufsehern.

Wegen Rechtsstreits bisher nicht veröffentlicht

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP seien allerdings auf keinem der Fotos US-Soldaten zu sehen.

Eine SBS-Sprecherin wollte nicht sagen, wie der Sender zu den Bildern gelangte. In den USA seien sie wegen eines laufenden Rechtsstreits noch nicht veröffentlicht worden. Dem Sender zufolge dokumentieren die Bilder, dass "Folter und Missbrauch in Abu Ghoraib 2004 viel schlimmer waren als bisher vermutet".

US-Soldatin zu drei Jahren Haft verurteilt

Wegen des im Frühjahr 2004 bekannt gewordenen Folterskandals in Abu Ghoraib war die US-Soldatin Lynndie England im Herbst 2005 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Foto von England, auf dem sie einen nackten und auf dem Boden liegenden Häftling wie einen Hund an der Leine hält, ging um die Welt.

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