Mit Fällen in Italien und Griechenland ist das auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippe-Virus des Typs H5N1 erstmals in Ländern der EU nachgewiesen worden.
In Italien wurde das Referenzlabor in Padua bei toten Schwänen fündig, die an der Küste Süditaliens aufgefunden worden waren, teilte Gesundheitsminister Francesco Storace am Samstag mit.
Gesundheitsminister beruhigt
Insgesamt waren 17 Tiere getestet worden. Bei mehreren seien die Untersuchungen positiv verlaufen. Weitere Tests sollen nun zeigen, um welche Form von H5N1 es sich genau handle, fügte Storace hinzu.
"Was die menschliche Gesundheit betrifft, können wir relativ ruhig sein, aber es gibt Grund zur Besorgnis, was die Tiere betrifft", versuchte der Minister nach Bekanntgabe der Testergebnisse zu beruhigen.
Verdacht auch in Griechenland bestätigt
Ebenfalls am Samstag meldete auch Griechenland, dass sich mehrere Verdachtsfälle auf Infektion mit dem Virus bestätigt hätten.
Das Vogelgrippe-Referenzlabor in London hatte den H5N1-Erreger gleichfalls bei verendeten Schwänen nachgewiesen, so der staatliche griechische Rundfunk. Die Tiere waren in der Nähe der nordgriechischen Stadt Thessaloniki gefunden worden.
Erste Sofortmaßnahmen
Das Landwirtschaftsministerium in Athen rief die Bürger auf, Ruhe zu bewahren. "Die verendeten Vögel waren Wild- und keine Nutzvögel", hieß es.
Italien überlegt indessen als Sofortmaßnahme einen Erlass, der zumindest 21 Tage lang Transporte und Handel mit lebenden Tieren verbietet, die durch das Virus gefährdet sind.
Das Verbot soll nur für die betroffenen Regionen gelten. "Was die Ernährung betrifft, gibt es keine Probleme, und schon mal gar nicht hinsichtlich des Verzehrs von Hühnern", erklärte Ressortchef Storace.
EU-Krisentreffen noch diese Woche
Die EU reagierte auf die Meldungen aus Italien und Griechenland mit der Einberufung eines dringlichen Krisentreffens ihrer Experten für Tierseuchen. Am Donnerstag und Freitag kommen die Veterinäre in Brüssel zusammen, um über Maßnahmen zur Abwehr der Seuche zu beraten.
Italien hatte unmittelbar nach Bekanntwerden der Testergebnisse Kontakt mit Brüssel aufgenommen. "Wir sind in Kontakt mit der Europäischen Union, um eine komplettere Analyse der Situation in Europa zu bekommen", erklärte Storace.
Nachweis auch in Bulgarien
Die EU-Kommission vermeldete inzwischen, dass das H5N1-Virus auch bei Proben von Wildschwänen aus Bulgarien nachgewiesen wurde.
Tests im britischen Referenzlabor seien positiv verlaufen. Die infizierten Tiere seien in dem Feuchtgebiet Vidin nahe der rumänischen Grenze gefunden worden, hieß es in der Erklärung.
Weitere Fälle in Rumänien
Das Nachbarland Rumänien bestätigte indessen am Samstag einen weiteren Vogelgrippe-Herd. Seit Ausbruch der Tierseuche im Oktober 2005 meldete Tirana insgesamt 27 Infektionsherde.
Angst vor rascher Ausbreitung in Afrika
Am vergangenen Mittwoch waren die ersten H5N1-Fälle in Afrika aufgetreten.
In zwei Bundesstaaten im nördlichen Nigeria verendeten auf Geflügelfarmen Hühner an der Seuche. Die Regierung kündigte Massenschlachtungen an, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.
Bisher über 80 Todesfälle
Eine Infektion mit dem Virus des Typs H5N1 kann auch beim Menschen tödlich verlaufen. Allerdings ist das Virus bisher nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.
Experten fürchten aber, dass sich der Krankheitserreger derart verändern könnte, dass auch eine Infektion von Mensch zu Mensch möglich wird. Eine Pandemie mit Millionen Toten könnte die Folge sein.
Weltweit starben an der Krankheit bisher - als Folge einer Ansteckung bei Tieren - mehr als 80 Menschen. Am stärksten betroffen ist Südostasien.
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