Scharfe Kritk an Seipel und Gehrer

Weiter Kritik an Sicherheitsmängeln im KHM.

  Scharfe Attacken gegen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) und Wilfried Seipel, Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM), haben am Montag der grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos geritten.

Anstatt sich nun öffentlich feiern zu lassen, sollten beide lieber die Konsequenzen aus ihrer Mitverantwortung für den Kunstraub ziehen, verlangte Darabos. Für Zinggl ist die Freude im Ministerium nach dem Fund der "Saliera" nicht nachvollziehbar, "in Wirklichkeit ist dieses Museum gesichert wie ein Würstelstand auf der Donauinsel".

"Schlamperei" im KHM

Die Aussagen des mutmaßlichen Diebes würden die Kritikpunkte der SPÖ an den Sicherheitsvorkehrungen "mehr als bestätigen".

Dass es sich bei dem Raub offensichtlich um eine "b'soffene Geschichte" gehandelt habe und dass der Dieb ohne größere Schwierigkeiten in das Museum eindringen konnte, würde bestätigen, dass unter Seipels Führung "Schlamperei" ins KHM Einzug gehalten habe.

"Konsequenzen ziehen"

Seipel solle folglich seinen Rücktritt nicht nur ankündigen - wie beim Raub der "Saliera" -, sondern auch durchziehen. "Ein Rücktritt Seipels wäre jetzt ein Zeichen von Größe." Auch Gehrer wäre besser beraten, die Konsequenzen zu ziehen, als sich mit dem wieder gefundenen Kunstgut in den Medien abbilden zu lassen. Das Festhalten von Gehrer an dem Museumsdirektor sei falsch gewesen.

Sowohl Seipel als auch Gehrer hätten nichts zum Fund der "Saliera" beigetragen - die eigenen, "dilettantischen" Ermittlungen Seipels bei der "italienischen Mafia" hätten nur Krimiszenen nachahmen wollen und zeigten bloß, wie Seipel mit Geldern umgehen würde. Darabos' ganze Achtung gilt der Exekutive.

"Saliera" als "Baby"

"Dass sich Seipel wie ein guter Hirte präsentiert, dem ein abhanden gekommenes Schäfchen wieder zugelaufen ist, verstehe ich nicht", kritisierte wiederum Zinggl die Euphorie nach der Lösung des "Saliera"-Falles.

Ein weiterer Vergleich des Kultursprechers: "Nun behandelt man die 'Saliera' wie ein Baby, das statt eines Schnullers einen Dreizack zurückgesteckt bekommt."

Zinggls Kritik zielte vor allem auf vermutete Sicherheitsmängel im KHM ab: "Wenn Gehrer nach wie vor der Meinung ist, bei dem 'Saliera'-Dieb handle es sich um einen Experten, dann hat dieser der Polizei deutlich gezeigt, wie schlecht die Sicherheit im Museum war."

Gerüst nur für ÖVP-Plakat?

Kritik gab es auch an einem zweiten Gerüst, das zum Zeitpunkt des "Saliera"-Diebstahls vor dem KHM errichtet gewesen sei. Dieses habe überhaupt keine Funktion gehabt außer als Träger für ein ÖVP-Plakat. Selbst Expertenwarnungen bezüglich dieses Risikos seien damals "in den Wind geschlagen" worden.

Gehrer nimmt Seipel in Schutz

Gehrer nahm Seipel gegen die Kritik in Schutz: Die Rücktrittsaufforderungen seien "alte Hüte". Die Kritik des mutmaßlichen Täters Robert M., dass die Sicherheitseinrichtungen im KHM "nicht am letzten Stand" gewesen seien, wies Gehrer zurück: "Dem widerspreche ich auf das Entschiedenste."

Gehrer verwies erneut auf die "internationalen Standards", die "auch im Fall des Kunsthistorischen Museums erfüllt waren. Die Alarmanlage hat nachweislich funktioniert, es waren die Aufseher, die versagt haben."

Lopatka verteidigt Gehrer

Für die Bildungsministerin sprang ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka in die Bresche: Auch er berief sich auf die laut Experten internationalen Standards der Sicherheitsvorkehrungen. "Wenn bei der SPÖ eine Parteilinie zu erkennen ist, dann nur beim Schlechtreden und Neinsagen", so Lopatka.

Ein "klarer Beweis" für die erfolgreiche Politik von Gehrer seien auch die steigenden Besucherzahlen und "ein international hervorragendes Renommee" der Museen in Österreich.

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