Für einen Rückkauf von Klimts "Bildnis Adele Bloch-Bauer I" haben sich in einer Stellungnahme gegenüber der APA der Direktor des Leopold Museums, Rudolf Leopold, der Direktor des Kunsthistorischen Museums Wien, Wilfried Seipel, und Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, ausgesprochen.
Leopold und Seipel schätzten den Wert des Gemäldes zwischen 43 und 100 Mio. Euro.
"Ist zu akzeptieren"
"Wir hatten natürlich gehofft, dass die Entscheidung zu Gunsten von Österreich und der Österreichischen Galerie ausgeht", so Seipel, "aber sie ist in jedem Fall zu akzeptieren. Man muss davon ausgehen, dass ein wertvoller Bestand der Österreichischen Galerie in Verlust geraten ist."
Er hoffe, dass die Gemälde weiterhin in einem Museum der Öffentlichkeit zugänglich sein werden, so Seipel. Vielleicht sei es möglich, das eine oder andere als Leihgabe in der Österreichischen Galerie zu zeigen, wenn man es als im Besitz von Maria Altmann ausweise, oder es zurückzukaufen.
Mehrere hundert Mio. Euro
Das gelte vor allem für das "Bildnis Adele Bloch-Bauer I", das nicht nur Klimts bedeutendstes Gemälde, sondern eines der wichtigsten Gemälde Österreichs sei. "Es ist Weltkulturerbe. Vielleicht gelingt es durch eine breit angelegte Aktion, mit Hilfe von Sponsoren das Bild für Österreich zu erhalten." Es sei schwer, den Wert der Bilder anzugeben, so Seipel.
Seine Schätzung liegt bei mehreren hundert Millionen Euro für alle Bilder, bei 100 Millionen oder mehr allein für "Adele Bloch-Bauer I".
Auch Leopold hofft auf Rückkauf
Auch Leopold gab seiner Hoffnung Ausdruck, Österreich werde "zumindest die 'Goldene Adele' zurückkaufen". Er schätzt den Wert des "Bildnisses Adele Bloch-Bauer I" zwischen 43 und 51 Mio. Euro, "Adele Bloch-Bauer II" zwischen 21 und 29 Mio. Euro. Die Landschaften seien schätzungsweise zwischen elf und 18 Mio. Euro wert.
"Nicht ganz unerwartet"
Für Frodl kommt die Entscheidung "nicht ganz unerwartet". Nun würden Möglichkeiten sondiert, "möglicherweise das eine oder andere dieser Gemälde zu erwerben", um es "für Österreich und die Österreichische Galerie" zu erhalten.
Von besonderer Bedeutung seien die beiden Porträts "Adele Bloch-Bauer I" und "Adele Bloch-Bauer II". Diese zwei Bilder seien "absolute Hauptwerke" Klimts, die "Goldene Adele" ist "sicherlich neben dem 'Kuss' das wichtigste Bild von Klimt", betonte Frodl.
Deren Wert könne man nicht genau beziffern: "Der Markt gibt die Preise vor. Aber es gibt nichts Vergleichbares am Markt."
Wäre "große Einbuße"
Sollten die Werke Österreich verlassen, wäre das "eine große Einbuße". Zum Schiedsspruch meinte Frodl: "Im Belvedere ist man immer davon ausgegangen, dass das Vermächtnis Adele Bloch-Bauers bindend war. Mit diesem Schiedsspruch geht ihr Letzter Wille nicht in Erfüllung."
Keine Auswirkungen auf "Bildnis Wally"
Auf den Rechtstreit um das "Bildnis Wally" habe die Entscheidung des Schiedsgerichts "überhaupt keine Auswirkung", betonte Leopold, da das Leopold Museum als Privatstiftung nicht dem Kunstrückgabegesetz unterliege.
Das Schiele-Gemälde war 1998 nach einer Schiele-Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) beschlagnahmt worden, nachdem die Erben der ursprünglichen Besitzerin Lea Jaray-Bondi das Bild zurückgefordert hatten.
"Rechtmäßig" für 200 Reichsmark gekauft
Jaray-Bondi hatte 1939 kurz vor ihrer Emigration aus Österreich das Bild dem Salzburger Kunsthändler Friedrich Welz verkauft, der als Kaufpreis später 200 Reichsmark angab.
Als Jaray-Bondis Anwalt nach dem Zweiten Weltkrieg die Rückstellung des wertvollen Bildes forderte, wurde das von der Österreichischen Galerie mit der Begründung abgelehnt, man habe das Bild rechtmäßig erworben und gegen ein anderes Bild mit dem Sammler Leopold getauscht.
"Der Anspruch auf das 'Bildnis Wally' ist völlig ungerechtfertigt", so Leopold. "Jaray-Bondi hat sich schon 1947, drei Jahre bevor das Bild durch einen falschen Erben an die Österreichische Galerie verkauft wurde, mit dem Kunsthändler Welz geeinigt, dass alle gegenseitigen Ansprüche erfüllt sind. Unser Pech ist, dass das nicht in den Gerichtsbeschluss eingetragen wurde wegen der Geringfügigkeit. Klimt und Schiele waren durch die Nazi-Zeit so wenig wert, dass der Kaufpreis der Österreichischen Galerie damals nur 4.000 Schilling betrug."
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