Der Spruch des Schiedsgerichts, das die Voraussetzungen für eine Rückgabe der Klimt-Bilder gegeben sieht, sei eine "sehr wichtige Entscheidung für Österreich". Das sagte Restitutionsexpertin Erika Jakubovits von der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) am Montag. Sie zeigte sich "hocherfreut".
Obwohl es "traurig ist, wenn so wichtige Bilder weggehen, ist es auch eine gute Entscheidung für Österreich - gerade jetzt, wo das Land noch mehr im Augenmerk der Öffentlichkeit ist", so Jakubovits unter Verweis auf den derzeitigen österreichischen EU-Ratsvorsitz.
"Hätte sich viel sparen können"
"Man hätte sich viel ersparen können. Viel Ärger, viel Aufregung, viel schlechte Publicity, viel Geld", betonte Jakubovits angesichts des jahrelangen Rechtstreits zwischen Klägerin Maria Altmann und der Republik Österreich um die Bilder.
Es sei "ohne Zweifel ein schwieriger Fall" gewesen, dessen Ausgang nicht vorhersehbar gewesen sei. Dennoch "habe ich nie daran gezweifelt, dass die Bilder der Frau Altmann gehören". Der Streit um die Klimt-Bilder war "sicherlich der größte Fall. Ich kann nur hoffen, dass die Entscheidung positiv auf andere Fälle wirkt", so Jakubovits.
Anderl begrüßt Entscheidung
Als "sehr begrüßenswert" bezeichnete die Historikerin Gabriele Anderl ("NS-Kunstraub in Österreich und die Folgen") den Spruch des Schiedsgerichts. Die Entscheidung sei "tendenziell zu erwarten gewesen", seit sich die Parteien auf das Schiedsgericht geeinigt hatten.
"Blick auf andere Fälle verstellt"
Die Prominenz des Falles durch den hohen Symbolwert der Klimt-Bilder habe "andererseits den Blick auf andere Fälle verstellt", so Anderl, unter anderem Mitarbeiterin der Historikerkommission der Republik Österreich und bei der Schau "Das Neue Österreich" in der Österreichischen Galerie Belvedere zum Staatsvertragsjubiläum.
Die Rückgaben in der "regulären" Provenienzforschung würden "leider relativ wenig kommuniziert" und träten gegen diese "spektakulären Fälle oder auch Negativgeschichten, wo nicht zurückgegeben wird", in den Hintergrund.
SPÖ: Entscheidung akzeptieren
"Endlich hat das jahrelange Tauziehen ein Ende", reagierte SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen auf den Spruch des Schiedsgerichts.
Die "Entscheidung über die Rückgabe der Klimt-Bilder" ist für Muttonen "auf jeden Fall zu akzeptieren und im Sinne des Rechts zu begrüßen", hieß es in einer Aussendung. Es wäre jedoch aus österreichischer Sicht zu bedauern, würden "die wichtigen Klimt-Werke nun unser Land verlassen".
Muttonen kritisierte die österreichische Bundesregierung, die es "verabsäumt hat, zu einer Einigung mit der Klägerin zu kommen, und die nun zu verantworten hat, wenn die Bilder in amerikanischen Privatbesitz kommen".
Grüne: Jahrelanges Versäumnis
Auch die Grünen warfen der Regierung vor, jahrelang versäumt zu haben, Verhandlungen mit der Klägerin Maria Altmann aufzunehmen und dadurch eine außergerichtliche Einigung zu erzielen.
Dass die Werke nach dem Spruch des Schiedsgerichts nun "aus dem öffentlichen Besitz gegen den Willen ihrer ursprünglichen Besitzerin in amerikanischen Privatbesitz" übergehen, sei "schade", so Kultursprecher Wolfgang Zinggl in einer Aussendung.
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